Timo Wahl YOGA-PODCAST
Timo Wahl YOGA-PODCAST
#44 Die Wichtigkeit einer regelmäßigen eigenen Praxis.
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Hast Du Fragen oder Anregungen..?
Du rollst die Matte aus und merkst trotzdem: Im Alltag zerfällt alles wieder? Genau dort setzen wir an. Wir reden offen darüber, warum regelmäßige Yoga-Praxis nach einer Ausbildung oder in stressigen Lebensphasen oft kippt und weshalb „Ich habe keine Zeit“ selten die ganze Wahrheit ist. Für uns beginnt Yoga-Routine nicht mit mehr Druck, sondern mit einer klugen Struktur, echten Prioritäten und dem Mut, klein anzufangen, ohne das eigene Idealbild zu verteidigen.
Wir tauchen in Abhyasa und Vairagya ein: Beharrlichkeit ohne Härte, Loslassen ohne Ausrede. Es geht um Gewohnheiten und das Nervensystem, um die sinkende Überwindung durch Wiederholung und um die Frage, wie du Praxis so wählst, dass sie dich nährt statt auslaugt. Wir sprechen über Angst, Bewertung, spirituellen Ehrgeiz und darüber, wie schnell man Intensität mit Qualität verwechselt, bis man merkt, dass die Praxis vor allem ein Spiegel ist.
Dann ziehen wir den Faden konsequent in den Alltag: Yamas und Niyamas als gelebte Ethik, kleine Momente von Mitgefühl und Großzügigkeit, Verantwortung ohne Schuld. Und wir machen klar, warum Regeneration im Parasympathikus nicht verhandelbar ist, gerade wenn du unterrichtest und Co-Regulation für andere halten willst. Wenn du dir eine Yoga-Praxis wünschst, die wirklich in dein Leben passt, hör rein, teile die Folge und abonniere den Podcast. Welche eine Veränderung würdest du diese Woche ausprobieren?
Begrüßung Und Ziel Der Folge
Ann SophieEs ist ein wunderbarer Tag, denn ich sitze hier wieder mit dir, Timo. Herzlich willkommen. Wie schön, dass wir uns zu einem weiteren Austausch treffen. Das ist ganz toll.
TimoIch freue mich auch, liebe Anne-Sophie, weil ich habe dich ja auch bei mir im Podcast, es ist wie immer dieser Podcast-Austausch. Ich freue mich total. Es hat ein bisschen länger gedauert als beim letzten Mal. Aber ich freue mich. Und du hast auch ein schönes Thema mitgebracht.
Ann SophieJa, wir haben uns ja eben gerade noch kurz ausgetauscht und haben beide befunden, ja, es ist gut, es ist vielleicht auch ein bisschen an der Zeit, darüber mal zu sprechen. Und zwar möchten wir heute gemeinsam mit euch, mit dir darüber sprechen, wie man die eigene Yoga-Praxis wirklich in den Alltag integriert und welche Schwierigkeiten vielleicht dabei auch entstehen können, was auch unsere eigenen Erfahrungen damit sind. Wir sind natürlich selber Praktizierende, aber auch in der Situation eben auch Menschen in dem Bereich Yoga, in meinem Fall auch Yoga-Therapie, du hast ja auch viele Ausbildungsprogramme, die du seit Jahren, Jahrzehnten anbietest. Das heißt, wir sind ja auch in einem regelmäßigen Austausch mit zukünftigen Yoga-Lehrenden. Und das finde ich sehr, sehr spannend, mal zu schauen, was da vielleicht auch unsere Erfahrungen sind, welche Möglichkeiten es gibt. Das mit sehr viel Mitgefühl und einer gewissen Regelmäßigkeit, Disziplin ist sicherlich auch ein wichtiges Wort, gesunde Gewohnheiten würde ich da mal mit reinstecken, wie man das auch aufbauen kann, weil es ist kein Hexenwerk und trotzdem fällt es nicht vom Himmel. Deshalb starten wir doch einfach mal in das spannende Thema rein. Absolut. Wie erlebst du das denn, Timo? Wir haben gerade gesagt, ihr habt gerade bei euch eine Ausbildung abgeschlossen. Erlebst du Unterschiede im Vergleich zwischen Menschen, die jetzt selber Yoga unterrichten, zu Menschen, die bei dir regelmäßig in die Kurse kommen. Wie geht es da so mit der regelmäßigen eigenen Praxis?
TimoIch erlebe Menschen sehr unterschiedlich.
Warum Praxis Nach Ausbildungen Kippt
TimoEs gibt bestimmt ohnehin unterschiedliche Typen. Es gibt ja Menschen, die sind sehr stringent, die machen Dinge dauerhaft. Es gibt Leute, die lassen sich schnell begeistern, sind vielleicht auch schnell wieder weg und sprunghaft. Aber was ich immer wieder erlebe, ist, dass sich Menschen zu Yoga aus- oder Weiterbildung von Grundausbildung anmelden, aus diesem intrinsischen Verlangen heraus, ich möchte endlich verstehen, warum mir das so super gut tut und ich möchte mehr. Und die brennen, die brennen regelrecht. Und dann ist natürlich über den Zeitraum der Ausbildung immer mal so der Punkt, wo es anfängt zu verkopfen, weil man natürlich dann, wenn man neuen Input bekommt und die Dinge erstmal auf einer Ebene des Verstehens verknüpft, dann vielleicht auch Dinge anders hinterfragt oder plötzlich etwas ernüchternd zieht. Und dann kommt aber vor allem dieser Sprung ins Unterrichten. Und da habe ich leider immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich, die sehr jung, also jung als LehrerInnen sind, also sehr frisch sozusagen, vielleicht ein bisschen mit zu viel Feuereifer in dieses Unterrichten hineingeben, vielleicht am Anfang auch nicht so gut abschätzen können, wie Ressourcen fordernd das letzten Endes auch sein kann. Gerade am Anfang musst du vorbereiten und bist aufgeregt und nicht alle Stunden sind wirklich immer auf dem Level, wo du sie gerne hättest. Und dann habe ich viele erlebt, die sich dann quasi um ihre eigene Energie bringen, durch zu viel Unterrichten an der eigenen Praxis festzuhalten. So, also ich glaube, das ist so was, was gerade Lehrende häufig betrifft. Und ich glaube, da gibt es natürlich auch grundlegend immer das Problem, dass Menschen halt, wenn sie anfangen, was zu tun, natürlich sehr schnell auf ein anderes Plateau kommen von Leistung. Nennen wir es mal Leistung, von Verstehen, von Körperlichkeit, von Erfahrung, die du machst. Und natürlich wird das irgendwann, das geht ja nicht immer linear weiter. Und ich glaube, dann verlässt viele einfach so ein bisschen die Begeisterung, weil es nicht mehr so schnell weitergeht. Und dann verlieren sie so ein bisschen das Interesse. Oder Grauen ist zurück.
Ann SophieJa, da sind schon zwei wichtige Punkte drin, die ich auch so erlebe. Und ich glaube, dass dieser Übergang ins dann schlussendliche Yoga unterrichten, das ist tatsächlich recht komplex. Also allein die Tatsache, dass ja für viele auch ein Berufsleben nach wie vor weiterhin stattfindet, einfach auch um sowas wie eine materielle Basis zu geben. Das heißt, das Yoga ist zu Beginn ja am Anfang irgendwie dann noch on top. Oder der hauptsächliche Job wird ein Stück weit teilreduziert, aber dann vielleicht noch mit Familie und Alltag und so stellen sich häufig die Fragen, der Tag hat ja nur 24 Stunden, wann soll ich das jetzt noch unterbringen? Also, das ist tatsächlich ja auch etwas, was ganz viel mit einer Strukturierung des Alltages zu tun hat. Zumindest erlebe ich das so. Also wenn ich darauf warte, dass sich quasi so ein Stündchen auf einmal in meinem Alltag eröffnet, wo ich dann denke, oh ja, jetzt könnte ich ja mal die Mathe ausrollen, ist meine Erfahrung, das passiert nicht. Also ich muss es tatsächlich auch in meiner Tagesplanung und in bestimmten Gewohnheiten verwurzeln. Und daraus entstehen dann auch Selbstverständlichkeiten. Aber dieser Übergang dahin, ich glaube, das ist sehr sinnvoll, ja, auch mit einer gewissen Schritt für Schritt, wo sind meine Prioritäten, wie kriege ich das untergebracht, sich das tatsächlich auch zu überlegen und nicht darauf zu warten, dass
Alltag Strukturieren Statt Auf Zeit Warten
Ann Sophiediese Zeit auf einmal dann da ist.
TimoJa, ich glaube, es hat was mit auch mit Priorisierung zu tun. Und ich glaube, es hat was, du sagtest gerade Strukturierung auch mit der Frage zu tun. Meistens ist es ja so, wenn Menschen damit anfangen, machen sie es im Urlaub oder in einer Ausbildung, dann widmen sie dem mehr Zeit. Das heißt, sie haben Zeit reserviert und innerhalb dieses wesentlich größeren Zeitkontingens, als uns dann später der Alltag mit dem Job bietet und zulässt, kann man natürlich auch viel mehr Dinge parallel zueinander jonglieren und sich auf diese Dinge konzentrieren. Und ich glaube, man muss sich halt vor allem die Frage stellen, auch bei all diesem Überangebot, also wenn man sich natürlich den Yoga-Weg anguckt, der ja ein bisschen anders aufgespannt wurde, mal vor Jahrhunderten, dann ist es ja ein Weg der reinen Selbsterkenntnis, der gekoppelt ist, einen sehr speziellen Lebensstil, den wir heute einfach gar nicht führen können. Also wir haben nicht die monetäre Absicherung von Hause aus, dass wir unser Leben lang eigentlich nicht arbeiten müssen. Also die wenigsten von uns. Uns inkludiert, will ich nochmal so an der Stelle sagen. Und dann mag es natürlich auch so ein bisschen frustrierender sein, wenn du während deiner Grundausbildung irgendwie alle Puzzlestückchen des Yoga mal ausprobierst, du chantest, du meditierst, du machst Meta, du machst Pranayama, du machst Praxis, du liest die Schriften. Das kannst du im Alltag nicht. Und dann mag wahrscheinlich so irgendwann das Gefühl, in dir entstehen, das ist jetzt auch nicht mehr richtig. Aber man muss halt an dem Moment auch überlegen, welchen Alltag lebe ich? Und was erlaubt mir mal ein Alltag? Und ich glaube, dann muss man sich die Frage stellen, ah, wie wichtig ist mir das Ganze? Und welcher Teilaspekt des Yoga ist für mich aktuell der notwendigste, um mich auf meinem Weg weiter zu bewegen, vielleicht sogar zu entwickeln. Und ich glaube, wenn man diese Frage mal ganz ernsthaft jongliert und sich durchaus ins Gedächtnis ruft, dass man halt nicht jeden Tag 90 Minuten Zeit hat für eine volle Praxis, wenn man die vielleicht eine Ausbildung hatte, dann mögen es auch 30 oder 40 Minuten tun. Dann muss man halt einen Auszug der notwendigsten Techniken machen. Aber ich glaube, dann ist es nur eine Frage der Priorisierung. Also jeder Weg, den ich gehe, wird irgendwann immer zu irgendeiner Form der Verbesserung, also mit Ups and Downs, aber es wird immer irgendwie weitergehen in meiner persönlichen Entwicklung. Und das ist meines Erachtens nicht von der Intensität abhängig, sondern die Qualität aus meiner Erfahrung ergibt sich aus der Stringenz. Es gibt ja das schöne Wort Abyasa, diese Beharrlichkeit. Und diese Beharrlichkeit, die muss ja nicht immer in unglaublicher Anstrengung und unglaublichem Zeitaufwand gipfeln. Das kann ja auch darin gipfeln, dass ich im Alltag vielleicht fernab der Mathe auch die yogischen Tugenden versuche zu pflegen. Es ist ja nicht nur die Mathe.
Speaker 1Richtig, richtig. Also dass das Leben selber zu einer Yogapraxis wird, das ist sicherlich für mich auch etwas, was das Yoga jenseits der Mathe ermöglicht auch. Und du hast jetzt gerade die Beharrlichkeit angesprochen. Es ist ja auch in den Yamas und Niyamas immer von Tapas ja die Rede, also auch von einer gewissen Art der Selbstdisziplin in dem Sinne. Mich interessiert das Thema sehr, weil ich glaube, ich von meinem Temperament her eher auf der, ich habe mir das vorgenommen und ich ziehe das jetzt durch mit all den Konsequenzen, die vielleicht auch aus dieser inneren Härte dann resultieren können und auch einer Erschöpfung, die in meinem Fall nach einer gewissen Zeit da war, weil ich eben innerlich nur darauf gewartet habe, dass ich es jetzt abschließe, damit ich mir sozusagen dieses Häkchen geben darf. Weil ich an Sophie, ich praktiziere doch täglich. Also da war auch ganz viel Selbstbild dabei und wenig Präsenz in dem Sinne auf der Matte. Also diese Weichheit, dieses Mitgefühl, mich dann der eigentlichen Praxis auch zuzuwenden und nicht nur abzuhaken, damit es dann sozusagen gemacht ist. Das ist ja auch eine Qualitätsfrage, die für mich zumindest ein ganz wichtiger Punkt irgendwann war, wo ich gemerkt habe, boah, alles in mir strebt sich eigentlich gerade dagegen. Ich mache es aber trotzdem, warum mache ich das jetzt? Also es hat mich auch immer wieder zurückgeworfen auf das Warum und auf meine Intention. Und das ist ja sehr viel, also das erlebe ich als sehr, sehr wertvoll. Und gleichzeitig fasziniert mich, schätze ich auch immer so an unserem Austausch, auch eben mal zu schauen, diese Beharrlichkeit, was passiert da neurophysiologisch, inwiefern ist vielleicht auch dieses Dranbleiben etwas, was es mit der Zeit wesentlich erleichtert. Und genau so ist es, wenn wir in eine Gewohnheit finden, also zu sagen, Leute, die sozusagen ihre Stärke, ihre regelmäßige Praxis zeigen, die haben häufig viel weniger Überwindung, Initialüberwindung, weil Strukturen des Gehirns, da sind die Basalganglien auch dabei, die Bewertungsebenen, die im präfrontalen Kortex sitzen, das schiebt quasi alles mit. Also die effektive Überwindung für jemanden, der es eh regelmäßig praktiziert, ist viel niedriger als für
Beharrlichkeit Schlägt Intensität
Speaker 1jemanden, der es sporadisch mal praktiziert und dann jedes Mal sich sozusagen wieder frisch entscheidet, okay, jetzt mache ich es. Und deshalb ist diese Beharrlichkeit, also auch aus reinem Selbstinteresse heraus, das, was Widerstände abbaut, dann wird es mit der Zeit immer leichter. Das ist effektiv so. Und das finde ich auch nochmal aus der wissenschaftlichen Sicht sehr bestärkend, zu sagen, nee, ich bleibe da jetzt mal dran, weil allein im Dranbleiben ist quasi schon ein gewisser Wert, der dann zu mehr Tiefe und zu mehr Regelmäßigkeit führt und weniger Kraftaufwand bedeutet, weil diese Widerstände sich gar nicht so stark zeigen.
TimoAbsolut. Das Wort Abyasa ist ja ein bisschen mit dem Wort Varagia gekoppelt. Das kann man jetzt auf verschiedene Weisen interpretieren. Aber wenn wir es mal auf uns interpretieren, Varagia heißt das so viel wie, man kann es übersetzen als Entfärbung, also Entfärbung von Bewertungen. Aber es heißt ja so viel wie, dass wir, wenn wir einen guten Spagat finden, aus dranbleiben, aber das, was wir tun, wie wir es tun, nicht ständig bewerten über die Quantität an Zeit oder über die Quantität an Asanas oder an Praxisanteilen oder sowas, die wir reingeben, sondern einfach nur sagen, okay, es ist notwendig. Dann ist es so ein bisschen wie, du sagtest gerade Gewohnheiten, ich glaube, die meisten ZuhörerInnen werden regelmäßig duschen. Und wenn wir mal irgendwann als Kinder gelernt haben, duschen ist was Gutes, dann werden wir selbst an einem Tag, wo nicht mehr so viel Zeit ist und wir ein bisschen Platz sind, wahrscheinlich noch den Weg unter die Dusche finden, wenn wir kleben abends. Aber die Frage ist, muss es halt jedem da das Vollbad sein? Und ich glaube, diese Achtsamkeit letzten Endes für das, was gerade notwendig ist, zu entwickeln, die kann sich aber, da mag ich jetzt alle ein bisschen die, die noch nicht so lange auf dem Weg sind, in Schutz nehmen, ist für mich so ein bisschen wie Laufen lernen. Also ich vergleiche das gerne, wenn jetzt LehrerInnen frisch aus einer Ausbildung kommen, dann ist es so ein bisschen wie laufen lernen. Ist jetzt nicht von oben herab gemeint, aber es ist ja was Neues. Und wenn wir uns überlegen, als wir laufen gelernt haben, dann war halt der Korridor, den wir gebraucht haben, uns ab und zu mal zu stützen, noch recht eng, um nicht zu fallen. Und je sicherer wir werden in unserem Gang, desto weiter kann dieser Flur werden, auf dem wir wandeln und desto mehr Spiränzien können wir uns quasi lauben. Also was ich damit sagen möchte, ich glaube, sich selbst den Schneid zu geben, den Mut zu entwickeln, zu sagen, okay, ich entscheide mich jetzt für diesen Teil und Aspekt meiner Praxis, was ja auch immer bedeutet, mich notwendigerweise manchmal gegen etwas anderes zu entscheiden, weil schlicht und ergreifend die Zeit fehlt, der kommt vielleicht auch erst mit der Zeit. Also vielleicht ist am Anfang auch wirklich so der Glaubenssatz da, nein, ich brauche das alles, um da ein richtiger Yogi, eine richtige Yogini zu sein. Und ich glaube, da muss man ja auch mit der Zeit lernen, sich so ein bisschen zu entspannen. Du hast gerade das Wort liebevoll oder rücksichtsvoll oder Mitgefühl oder wie auch immer angesprochen. Ich glaube auch dieses, sich dieses Mitgefühl nach innen zu schenken, ohne es in einer Bubble von, ach, ich darf alles so machen, wie ich will, aufgehen zu lassen, das ist ja auch ein Prozess der Entwicklung.
Speaker 1Richtig. Ich finde das Bild mit dem Laufen lernen, ich hatte auch gerade, als du den Korridor erwähnt hast, hatte ich richtig so dieses Gefühl, am Anfang kann man vielleicht auch unmittelbar die Wand berühren. Und wenn ich so zurückblicke, ich glaube, das, was du gerade beschrieben hast, das skizziert sehr schön so meine ersten Jahre der Praxis. Ich habe tatsächlich eine Art von Ängstlichkeit erlebt, die sicherlich auch viel mit eigenen Bewertungskriterien zu tun haben, wenn ich sozusagen meine Praxis nicht gemacht hatte. Ich hatte immer so diesen Glaubenssatz und diese Angst, oh Gott, sonst komme ich, also sonst verliere ich meinen Weg. Und das war, ich sag das jetzt und erinnere mich noch gut zurück, wie das sehr stark, so dieses Gefühl, ich bin auf meinem Weg, war immer noch sehr stark an etwas im Außen geknüpft. Und dann war die Praxis eine Veräußerlichung dieser inneren Intention und diesem Wunsch und dieses Feuers, eben mich besser selber kennenzulernen, wodurch? Dadurch, dass ich praktiziere. Und je mehr, desto besser. Und du hast es ja eben ganz schön angeschnitten. Da sehe ich mich sehr und ich glaube, dass das Laufen lernen mit der Zeit eben nicht nur dazu beigetragen hat, dass mein Korridor weiter wurde und ich weniger schnell in diese Ängstlichkeit und das, oh Gott, oh Gott, jetzt habe ich einmal nicht meine Matte ausgerollt und jetzt fällt gleich alles zusammen. Das hat sich beruhigt. Das war natürlich erstmal auch etwas, was einen Druck von mir genommen hat. Den Druck habe ich mir natürlich selber gemacht.
TimoNatürlich, klar.
Speaker 1Und gleichzeitig aber auch die Transformation, und ich glaube, das lässt sich nicht abkürzen, zu merken, wow, diese Sicherheit und dieser vermeintliche Yoga-Weg, das kann ja nie etwas im Außen sein. Das ist ja mein Weg. Es ist ja der Weg nach innen. Und dann eben zu merken, die Praxis, zumindest bei mir, wenn ich wirklich die Intention ganz zurückschälle, geht ja in diesen Selbstkontakt. Und dann ist es völlig egal, ob ich dann die Asana praktiziere oder das Pranayama mache oder eine stille Meditation oder was weiß ich, irgendwas anderes. Ich glaube, da bin ich mittlerweile auch recht offen, Dinge, die nicht im klassischen Yoga vorkommen, wenn sie denn mit der richtigen Aufmerksamkeit und der richtigen Achtsamkeit praktiziert werden, durchaus für mich als Yoga zu verbuchen. Aber der Weg, der hat bei mir einfach ein bisschen gebraucht. Und am Anfang, um mich zu regulieren, brauchte ich das Wissen darum, ich habe heute meine Matte ausgerollt und ich habe meinen Korridor links und rechts und an dem bleibe ich jetzt erstmal so lange kleben, bis sich das ein Stück weit erweitert und es hat stattgefunden. Und irgendwann, wie du sagst, ist es dann gar nicht mehr die Praxis, die ich jeden Tag brauche, sondern es ist vielmehr eine innere Haltung, die auch mit einer Freude der Praxis gegenüber stattfindet und nicht mehr mit einer Notwendigkeit, weil sonst Punkt, Punkt, Punkt, und in meinem Fall war das sehr stark an Angst gekoppelt. Und das so über die Jahre zu beobachten, wie da so ein tiefes Vertrauen und eben mehr Verbindung entsteht, finde ich also, was für eine, was für ein geniales Geschenk, das quasi in der Praxis des Yogas dieser Weg von dem nach außen Gerichteten zum nach innen Gerichteten aufgezeigt wird und stattfindet. Das ist doch, ist doch wunderbar.
TimoAbsolut. Ich meine, im ganzen Osten ist ja der Weg, das Ziel. Überall, wo du hinguckst. Und das geht ja genau darum, dass es gar kein Ziel gibt. Also das Ziel ist eigentlich maximale geistige Flexibilität, um sich halt von nichts im Außen großartig abhängig zu machen, wohlwissen darum, dass die Welt den permanenten Wandel unterworfen ist und es ohnehin nie einen Punkt gibt, der mal so bleibt. Aber ich glaube, diese Angst ist, würde ich mal behaupten, der zentrale Tri- und Angelpunkt, der uns alle umtreibt. Weil Angst ist ja immer ein Mangel von gefühlter Sicherheit. Und Sicherheit muss sich, genau wie du gerade so schön gesagt hast, muss ich langsam entwickeln über die Summe
Mitgefühl Statt Abhaken Und Selbstbild
Timoder Erfahrungen, die wir machen. Weil sonst, glaube ich, ist es am Anfang sehr nonchalant, wie wir damit umgehen. Da divergieren wir sehr stark zwischen ich muss, Zielerreichung, sonst bin ich kein guter Yogi-Schrägstrich, kein cooler Typ oder ich werde nicht gemocht oder kann mich selbst nicht annehmen, schwingt ja alles mit. Und zwischen, ich mache mir das jetzt einfach, weil Yoga ist ja, alles ist gut. Also zwischen diesen beiden extremen Pendels ja. Und ich glaube, dieses Oszillieren wird der Zeit kleiner und das braucht einfach seine Zeit. Ich habe genauso angefangen. Ich komme aus dem Astanga Vinyasa Yoga. I have the last of my praxis, the last acht, unterricht seit 1998, each morgen a full primary and a full second iron and a full third gemacht. But it was by me, where the Astanga kennt, it is a relatively knackige yoga form, died athletic is, die, sehr viel Stringenz, sehr viel Kraft fordert. And I have eighteen, ich würde mal sagen, den Fehler gemacht, für mich jetzt retrospektiv betrachtet, in der Erfüllung der Praxis die Qualität meiner Praxis zu sehen. Also mit der Intensität, die ich praktiziere, die Qualität zu verwechseln. Und das ist natürlich ein Holzweg. Gleichzeitig habe ich mich der Zeit beraubt, die ich gebraucht hätte für Schlaf oder für sonst was. Also ich hätte morgens um sieben irgendeinen Zug oder einen Flieger kriegen müssen, dann wäre ich halt um drei aufgestanden, aber ich hätte 90 Minuten praktiziert. Und dann ist natürlich die Frage, ist das noch nur im Ansatz Yoga oder ist das nicht total destruktiv? Weil das ist ja eigentlich das, wovon der Yoga weg will. Das ist Raga, das ist Anhaftung, das ist das Definieren meiner Qualität und meiner Güte als Mensch an irgendetwas, eine Form. Vollkommener Mumpitz. Und bei mir hat sich das wirklich erst aufgelöst über die dritte Serie. Also im Ashtanga ist es ja so, du wirst quasi, du musst nach Meister zu Patabi Joyce, also heute gibt es den nicht mehr, heute gibt es Charat. Aber du musstest quasi zur Familie Joyce und musstest in Meister quasi die offizielle Erlaubnis abholen, du darfst weiter, von der Primary in die Second Series, von der Second in die dritte. Und dann sind eigentlich die ganzen Ashtangis damals so durch die erste und Patabi Joyce, der Urheber hat ja auch mal gesagt, the erste Serie is for first series for everyone and second series for teachers and third series for demonstration. Hat er mal gesagt, that's just space. And what I'm with Demonstration gemeint had, I've erst wirklich verstanden. Also the erste is bestimmt for jeden, but jeder fighters halt um in the twitter to come. That's it um das Leben im Augenblick, sondern es geht um das Erreichen eines Ritterschlags von außen. Also wieder eine Abhängigkeit, von der du eigentlich weg willst. Und dann bist du in einer zweiten und denkst, oh, jetzt bin ich aber schon teacher. Und du merkst das mit so quasi das, was der Mainstream ja immer macht und der Yoga immer sagt, ihr seid doch verrückt. Also da gibt es so eine von außen aufgesetzte Güteklasse und wenn du dir entsprichst, dann bist du gut, dann bist du richtig. Und davon wollen wir eigentlich weg. Und als ich irgendwann einen Ritterschlag quasi in die dritte Serie bekommen habe, habe ich noch genau ein halbes Jahr praktiziert. Weil ich habe wirklich gemerkt, dass meine Erwartungshaltung war, die Praxis macht was mit mir. Also die Erreichung, die Formerfüllung. Und hab halt eigentlich gemerkt, nein. Letzten Endes geht es um die Konfrontation mit dir selbst. Und als ich das irgendwann geschnallt habe, dass es ein ständiger Spagat zwischen eigentlich Raga, mehr wollen und welcher, oh, habe ich gar keinen Bock drauf ist, dass es dieser Gleichmut ist, der sich genau durch diese Beständigkeit nämlich einstellt. Weil Wei Drager wird ja auch als Gleich mit übersetzt. Dieses einfach, okay, es ist so, wie es ist, akzeptieren können. Das kam wirklich dann durch die Praxis. Und ich glaube, um den Satz zu schließen, weil er sehr lang war, dass die Qualität der Praxis sich genau auch darin begründen kann, indem wir nämlich Dinge immer und immer und immer wieder tun und irgendwann feststellen, dass es die Konfrontation mit uns selbst ist in der Praxis, die uns wachsen lässt und nicht die Praxis selbst. Das sind Hilfsmittel. Ich glaube, es braucht Zeit.
Speaker 1Ich glaube auch, dass es das braucht. Und diese Konfrontation, die wird sicherlich, je nachdem, in welcher Persönlichkeitsstruktur wir unterwegs sind, wird sich irgendwann ganz automatisch auf dem Weg zeigen. Und ich finde das auch immer wieder spannend zu schauen, du hast jetzt erzählt, du hast im Astanga begonnen, also auch in welchen Stil zieht es mich sozusagen initial gesehen hinein. Und ich habe mit was angefangen, wo es ganz viel um super langes meditatives Halten ging. Und ich hatte immer diesen Wunsch, ich will Meditation lernen. Also ich hatte das Gefühl, da komme ich mit dem normalen Prinzip der Willensstärke und ich mache und ich streng mich an, komme ich da nicht weiter. Also ich muss irgendwas anders und neu verstehen, damit es gelingt. Aber das hat nicht bedeutet, und da bin ich ja selber noch immer noch total dran, aber zu merken, wie dann die Praxis einfach zu diesem sich immer klarer und größer werdenden Spiegel umformt. Und dieser Kontrast dann irgendwann, ja, einfach, wie du sagst, dann bist du in die dritte, dann kann der zweite Ritter schlagen, hast du gemerkt, ich bin immer noch der gleiche. Worum geht es denn eigentlich? Und ich glaube, diesen Moment, dass das so richtig ankommt in jeder Zelle des Körpers, so diese Läuterung, das lässt sich nicht abkürzen und das lässt sich auch nicht durch darüber reden. Jetzt reden wir gerade drüber. Aber eben deshalb, da ist jetzt wieder die Notwendigkeit der täglichen Praxis, weil wir alle schlussendlich an diesen Punkt geführt werden, jeder ein bisschen anders, jeder im ganz eigenen Tempo. Und es steht aber an. Und das, glaube ich, ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe eine gute Freundin, die ist sehr aktiv so im tantrischen Buddhismus, sorry, wie sagt man das auf Deutsch?
TimoIm tibetischen Buddhismus?
Speaker 1Buddhistischen Tantra. Also so ein bisschen.
TimoGenau, also der tibetische Buddhismus ist tantrisch, genau.
Speaker 1So, genau. Sie kommt aus Australien, deshalb bin ich gerade mit dem Englischen ein bisschen durcheinander gekommen. Und wir hatten euch auch ein schönes Gespräch, da ging es
Angst, Bewertung Und Der Weg Nach Innen
Speaker 1schlussendlich um Traumaheilung und diese emotionale Ebene und wie natürlich auch die eigenen Lebenserfahrungen dann zu neuronalen Verschaltungen führen und hin und her und hin und her. Und dann kam sie und ich kannte die Praxis, habe es aber nie wirklich vertieft, und sie war da gerade jetzt zwei Wochen in einem längeren Retreat, feeding the demons. Also die Idee zu sagen. Ja, genau. Die Idee zu sagen, das, was schon da ist, ein Widerstand zum Beispiel, da gehe ich jetzt rein, ich wende mich nicht ab und versuche das Gegenteil zu tun, bin ich ja immer noch auf derselben Achse, sondern ich gehe rein. Und das ist ein bisschen das, wo du jetzt berichtet hast, was wahrscheinlich auch für dich passiert ist, zu sagen, okay, wie viel mehr, wie viel intensiver, wie viel sozusagen größer kann ich die Praxis noch aufblasen, bis irgendwann der Punkt kommt, wo ich merke, so, hä, darum geht es doch gar nicht. Und das ist ja auch etwas Schönes, da so reinzugehen dann in diese Muster, in diese Gewohnheiten, bis irgendwann der Punkt kommt, wo man sagt, nee, irgendwo gibt es jetzt gerade einen qualitativen Wechsel.
TimoAber das ist, was du gerade sagst, wenn du die Schildpraxis benennst, die Idee, mit denen die inneren Dämonen zu füttern, ist ja, wenn man es modernisiert, Ausdruck zu gucken, welche Persönlichkeitsanteile sind in mir gerade aktiv und was wollen die von mir. Also was wollen meine inneren Stimmen, den Gehör zu geben, du gibst ja auch eine Form, eine Gestalt und du gehst dir eine Resonanz und sprichst ja mit denen in der Schildpraxis. Und ich glaube, das ist ein Prozess, der ab einem gewissen Punkt unnotwendig ist, weil gerade weil wir, egal ob wir viel Zeit für die Praxis haben oder wenig, aber wenn wir wirklich irgendwann merken, dass die Praxis was ist, was uns, ich benutze mal dieses Ultimative Wort, transformieren, also uns wirklich verändern kann, also uns auch innere Ängste nehmen kann, uns Glaubenssätze nehmen kann und sowas, dann müssen wir sowieso an den Punkt kommen zu gucken, was es für uns individuell braucht. Also was mein inneres System, meine inneren Anteile, meine Dämonen, was die von mir wollen. Aber wir haben ja alle innere Stimmen, die uns ausmachen. Und die Summe dieser Stimmen, die regiert ja irgendwo unterschwellig, wo es in unserem Leben hingeht. Und wenn wir uns das nicht bewusst machen, dann können wir aus meiner Sicht, du hast von das Wort Tapas genannt, auf etwas zu verzichten zum Beispiel, dann können wir gar nicht wirklich steuern, worauf wir zum Beispiel verzichten, womit wir arbeiten, welche Ressourcen wir aufbauen wollen, von welchen, ich möchte mal sagen, SAMSGADAS, also erworbenen Neigungen, Gewohnheitsmustern, welche wir davon vielleicht umprogrammieren wollen, wenn wir merken, die tun uns gar nicht gut. Und ich glaube auch gerade in der Entwicklung, auf der einen, es klingt so ein bisschen paradox vielleicht für diejenigen, die zuhören, aber in der Entwicklung einer kontinuierlichen Praxis, also einer Stringenz, immer wieder in die Praxis zu gehen, brauche es trotzdem auch gleichzeitig immer wieder das Bewusste hinterfragen, ist diese Praxis für mich gerade noch genau so stimmig. Also es darf, deshalb, ich wehre mich immer so ein bisschen, wenn Leute sagen, ja, Yoga ist für mich wie Zähne geputzen geworden, dann sage ich immer, okay, wenn du wirklich achtsam die Zähne putzt, und jedes Mal beim Zähneputzen guckst, musst du hoch und herunterbürsten, dann mag das so sein. Aber ich wehre mich gegen die Idee, dass Praxis etwas ist, was man so macht. Es bleibt das Städte unter Achtsamkeit, also bewusstem Erleben, was ist in mir gerade aktiv. Beobachten aller inneren Prozesse, um nämlich wirklich zu merken, wo stehe ich denn gerade und wie muss ich mit mir umgehen, um mich in die richtige Richtung zu entwickeln. Weil ich habe leider auch viele Menschen, und ich war selbst auf dem Weg, erlebt, über Yoga, gerade Asana, zum Narzissten zu werden. Also sich wirklich dann auch zu definieren über sowas oder diesen spirituellen Zeigefinger auszupacken, so wie ach, ach, du isst noch Fleisch, ach, du machst noch kein Yoga. Und dann stelle ich mir immer die Frage, okay, wenn du das sagst, wie weit bist du denn in deinem eigenen Voranschreiten? Und ich glaube, das ist schon so auch so ein Stolperstein, über den man ganz leicht fallen kann. Ich kenne den, ich war da auch schon. Dann so eine gewisse Arroganz anderen gegenüber zu entwickeln und so, Praxis, das ist doch keine Praxis, was du da hast. Guck mal mich an, das ist eine Praxis. Also es ist übertrieben gesagt. Und ich glaube, dass das erfordert, also ich würde Stringenz oder Gewohnheit zu etablieren, gerne immer erweitern und den Bereich in die Gewohnheit muss immer, oder die aus Gewohnheit geborene Praxis muss immer eine Praxis sein, die selbst immer wieder das Richtig Geglaubte hinterfragt, die eigenen Glaubenssätze, die Wertevorstellung, die immer wieder neu hinterfragt, ist das noch gültig, ist das noch gültig?
Speaker 1Absolut. Absolut. Und ich merke für mich natürlich, wenn eine Praxis recht körperlich ist und anstrengt, dann zieht ja allein das auch viel Aufmerksamkeit. Aber ich erlebe auch so eine tatsächlich große Gnade, würde ich sagen, nicht, weil es immer angenehm ist, aber diese Spiegelfunktion, natürlich kann ich das durch meine eigene Selbstreflexion, durch meine eigene Achtsamkeit und durch dieses immer wieder zu mir kommen rein spüren, Präsenz üben, Impulse wahrnehmen, denen aber nicht unbedingt unmittelbar folgen. Also selbstverständlich kann ich mit mir da eine ganz wichtige Praxis aufbauen und gleichzeitig die Gnade, die ich meine, auch zu schauen, mein ganzes Leben. Was gibt es da vielleicht im Moment für Schauplätze? Welche Konflikte zeigen sich, an welcher Stelle bin ich auch dabei und denke so, meine Güte, was mir da schon wieder passiert ist? Oder gebe irgendwo die Verantwortung ab oder mach Schuldzuweisungen oder was auch immer. Also ich glaube schon, dass der Umgang mit äußeren Herausforderungen, Widerständen, Krisen, Schicksalsschlägen, das ist für mich der Moment, wo ich eigentlich immer ganz gut weiß, wo ich stehe. Und es geht nicht darum zu sagen, dass das, wenn ich innerlich aufgeräumt bin, im Äußerlichen nicht mehr stattfindet. Nein, das gehört dazu. Auch Krankheit ist ja eine Form von Krise. Und diese Frage nach Schuld oder Charme, die stellt sich halt jetzt in meiner therapeutischen Arbeit sehr häufig, wenn die Leute mit Diagnosen kommen, die im klassischen schulmedizinischen Sinne sozusagen keine Ursache haben, also
Ashtanga, Ehrgeiz Und Die Falle Leistung
Speaker 1quasi vom Himmel gefallen sind. Und jetzt aber die Frage kommt: Okay, gibt es denn was, was ich machen kann? Wie kann ich denn meinen Körper unterstützen? Und da gibt es zwei falsche Freunde, die liegen nur einen Hauch nebeneinander. Die Tatsache zu sagen, ich übernehme Verantwortung für das, was gerade passiert, versus ich bin schuld an dem, was gerade passiert, zum Beispiel gesundheitlich gesehen. Aber ich empfinde eben die Praxis auf der Matte immer auch als einen Moment, wo vielleicht dann auch Zeit entsteht, gewisse Dinge, die im Außen passieren, auch mit einzuladen, emotionale Zustände, die mich da beschäftigen, und da mal zu schauen, zu schauen, okay, wie gehe ich damit um, wie ordne ich das ein, bin ich in der Lage, das wahrzunehmen, Mensch zu sein mit all dem emotionalen Spektrum, was dazu gehört, und trotzdem dieser Unterschied zwischen einem Schmerz und einem Leid, also diese Interpretation zu hinterfragen, da habe ich das Gefühl, unser Leben gibt uns so viele ständige Einladungen, da zu wachsen, zu entwickeln und zu heilen. Und eine regelmäßige Praxis ist für mich die größte Stütze, mich dem auch wirklich bewusst zuzuwenden. Bewusst zuzuwenden, dass die Zeit ist, es nicht eben links und rechts runterfällt. Und deshalb schätze ich manchmal auch eher weniger körperlich betonte Praxisformen, weil sie ein Stück weit Raum geben, dass vielleicht dann auch eine Emotion nochmal aufkommt, mal durch das System durchgeht, ich aber auch merke, okay, das ist jetzt auch wieder integriert. Also eine schöne weitere Übersetzung von den Samskaras sind ja unverdaute Erlebnisse. Also noch nicht integrierte Erlebnisse, die dann zu verschiedenen Mustern und Gewohnheiten, Verhaltensweisen führen können. Aber zu sagen, okay, was möchte denn vielleicht jetzt in diesem Zustand, wo ich andere Ressourcen habe als vor fünf Jahren, vor 30 Jahren, vor wie und wie vielen Jahren, zu sagen, okay, jetzt wende ich mich dem zu, so gut es eben geht und bin da mit dem, was ist. Da finde ich, lädt die Yoga-Praxis auch mich zumindest immer wieder dazu ein, das nicht nur auf die Matte zu bringen, wie in so einer kleinen Vakuumglocke, sondern das größer zu denken und auch zu sehen, inwiefern mein Leben da Spiegel ist für alle möglichen Dinge.
TimoJa, absolut, bin ich 100% deiner Meinung. Du hast ja vorhin auch noch was gesagt, was ich schon kommentieren wollte mit dem deutschen Spruch, es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Es ist ja so eine, es ist ja, ich glaube, wir wissen alle, dass wir Weltmeister darin sind, unsere Probleme zu verstehen. Gerade in Deutschland. Der hat so, ich würde mal sagen, 70 Prozent der Bevölkerung gefüllt, manche, zumindest in dieser Yoga-Glocke, die haben alle irgendwelche, keine Ahnung, systemischen Ausbildungen hinter sich, wissen genau, warum sie die Probleme am Start haben, aber die Probleme sind noch da. Und ich glaube, das große Problem ist, dass wir halt häufig Dinge so rein theoretisiert betrachten, wobei sie halt auf viele Ebenen durch den Körper gehen, ob sie somatisch repräsentiert sind, in Form von Spannung etc., und es da synaptische Verschaltungen gibt, die man dann in der Praxis zum Teil öffnen kann, ob sie in Form von Mikroexpressionen, Atemmustern etc. in uns gespeichert sind oder immer wieder auftauchen. Aber ich finde ein ganz wesentlicher Aspekt, weil du wirklich Alltag sagst, ist, es gibt nicht umsonst die Unterscheidung aus meiner Sicht in Jamas und Niamas. Und die Yamas, die werden immer von allen, die quasi so auf der theoretischen Ebene schon fast heilig sind, die werden immer so als selbstverständlich vorausgesetzt. Natürlich, ja, Gewaltfreiheit, natürlich nicht stehlen. Aber ich glaube, ich kenne halt ganz, ganz viele Leute um mich herum, die also das ist jetzt bitte nicht böse gemeint, aber ich glaube, wir kennen alle so Menschen, die sprechen darüber, was getan werden müsste und wie Dinge getan werden müssen. Aber das Tun ist dann eher im Hintergrund. Ich kenne aber auch Menschen, die haben das Wort Yoga noch nie in den Mund genommen, aber die arbeiten für die Tafel oder für den weißen Ring oder bei der Sterbehilfe. Oder egal wo. Freiwillig. Die tun was, die sind sozial engagiert. Und ich glaube, wenn wir das, was ich nämlich glaube, was die Jamas von uns fordern, dass Moral und Ethik kein Theoretikum ist, sondern zutiefst in uns menschlich verankert ist in unserem Fühlen und Agieren, weil wir es praktizieren, dass das ein Aspekt ist, den wir viel häufiger brauchen. Also wenn ich von der Mathe runtergehe und beschwere mich über den, der mir den Parkplatz geklaut hat, habe ich was nicht richtig gemacht auf der Mathe. Da habe ich was falsch verstanden. Aber wenn ich vielleicht nach der Mathe oder auch vor der Mathe eines Tages über die Straße gehe und mich sprecht ein vermeintlicher Bettler an, dann könnte ich ja zumindest ihm die Möglichkeit geben, ihn mal kurz eines Blickes zu würdigen, mit ihm kurz, wenn ich die Zeit habe zu sprechen. Und dann kann ich ja immer noch abschätzen, okay, ist das jetzt eine gefährliche Abzockerbande oder gebe ich dem was? Aber allein den Augenblick der Offenheit mal aufzumachen, kurz nur zu überlegen und nicht gleich mit dem Autopiloten durchzugehen. Ich glaube, allein diesen kleinen Schritt zu gehen im Alltag, wäre aus meiner Sicht eine ganz, ganz wichtige Präambel, um wirklich den Yoga-Weg von der Mathe in den Alltag zu bringen. Weil das ist ja ein Weg des Mitgefühls, es ist ein Weg der Achtung, uns und anderen gegenüber. Und wenn wir den aber nicht leben, sondern auf der Mathe Hot Hip and Holy machen, ich bin jetzt sehr böse, aber draußen es nicht übertragen, dann finde ich, können wir uns Fitnessstudio gehen. Dann hat es nicht so viel gebracht, wie es bringen könnte. Also ich glaube, es ist natürlich schön, Yoga zu machen, keine Frage. Und jeder, der ein bisschen nur fünf Minuten auf der Mat ist, hat schon was für sich getan. Aber trotzdem ist für mich der echte Entwicklungsschutz, das irgendwie in den Alter zu bringen. Wie kann es schaffen, großzügiger zu sein? Ich meine es gar nicht monetär. Wie kann ich es schaffen, offener zu sein, weniger verurteilend, einfach meine Hilfe anbietend, ohne es aus einem, ah, jetzt bin ich aber ein Guter, sondern aus einer Selbstverständlichkeit es werden zu lassen, Hilfe anzubieten. Serving, also zu sehen, viele sind halt wichtiger als einer. Und deshalb ist es gar nicht zu hinterfragen, ob ich etwas tun muss oder kann, sondern es einfach zu tun. Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Schritt, der häufig in der Yoga-Praxis fehlt. Und ich möchte nur eine ganz kurze Lanze brechen an deiner Stelle. Den finde ich die Jivamuktis toll bedienen, weil die Jivamuktis sehr auffordern sind, in die Handlung zu kommen. Und das finde ich großartig.
Speaker 1Ja, absolut. Ja, wie schön. Wie schön. Danke dir. Ich bin gerade total mitgegangen, als du das beschrieben hast, Timo. Und ich glaube auch da, wenn wir jetzt gerade das Mitgefühl besprechen, das Mitgefühl auch mir selbst gegenüber. Vielleicht bemerke ich dann im Nachhinein, dass ich an dem Menschen, der mich um Geld gebeten hat, wieder irgendwie so vorbeigelaufen bin und dann im Nachhinein so, wow, Mensch. Also auch da zu sagen, okay, das jetzt wahrzunehmen, das ist der allererste Schritt, um dann daraus zukünftig mehr und mehr und mehr mit kleinen Schritten in diese verkörperte Yoga-Praxis, ins Handeln auch zu gehen. Und wie häufig ich mir überlege und mir das vornehme und wünsche, eine Großzügigkeit, du hast gerade gesagt, es geht nicht nur um Geld, eine Großzügigkeit mit meiner Zeit, eine Großzügigkeit aus dem Herzen heraus. Also dieses ins Teilen zu gehen. Das ist mir ganz, ganz wichtig. Und gleichzeitig bemerke ich ständig Momente, in denen es gerade wieder zumacht, in denen ich das Gefühl habe, ich bin so angespannt, ich muss jetzt funktionieren, sonst schaffe ich das alles nicht. Okay, okay. Und dann kann auch die Praxis wieder der Moment sein, um mich wieder ein Stück weit rückzuverbinden, einfach zu sagen, es ist in Ordnung, okay, Bestandsaufnahme, wo stehe ich, was fühle ich, lass das wieder gehen. Und immer mal wieder, das merke ich für mich als ein sehr, sehr wichtiger Punkt, weil in meinem Leben ist dieses, mir sehr viele Dinge vornehmen und dadurch zeitlich in so eine erlebte Enge zu kommen, ist so ein Riesending.
TimoUnd ich habe das Gefühl, das ist gar nichts mehr passiert.
Speaker 1Erzähl mir nichts. Es wird besser. Es wird besser. Und ich glaube, ja, in dieser Großzügigkeit zu leben, bedeutet dann auch immer mal wieder ein bisschen, also in meinem Fall, sowas wie Inventar aufzunehmen, zu sagen, so, Moment mal, womit verbringe ich denn meine Zeit? Und muss das wirklich sein? Und immer auch zu sagen, es gibt so ein paar Situationen in meinem Leben, wo ich echt so ein paar schöne Momente hatte, wo ich dachte, so, ha, ist ja lustig. Jedes Mal, wenn das eintritt, habe ich immer wieder das Gefühl, ich sei über die Tatsache, dass es schon wieder so ist, völlig überrascht. Zum Beispiel, ich will da gar nicht ins Detail gehen, aber eine dieser Überraschungen war, dass ich bestimmt über zehn Jahre immer wieder überrascht festgestellt habe, dass mein Kühlschrank leer ist. Ich habe einfach nicht rechtzeitig eingekauft. Wohing ich Menschen kenne, die, wenn der Kühlschrank halb leer ist, schon unruhig werden und gucken, dass sie immer alles da haben und dann so zu merken, was steckt eigentlich dahinter, dass mein Kühlschrank immer leer ist. Welche Ängste spielen vielleicht unbewusst eine Rolle, die ich mit einem vollen Kühlschrank assoziiere oder was auch immer? Wie gesagt, möchte ich jetzt gerade gar nicht ins Detail gehen, aber zu sagen, an welchen Stellen finden diese Überraschungen statt und zu sagen, hups, ich bin ja wieder so beschäftigt, wir können uns gerne treffen, aber gerade ist viel los, es ist immer viel los. Und da zu schauen, was treibt mich eigentlich? Was sind da auch die, ich spreche jetzt von mir, ne? Was sind die Themen, die kommen, wenn ich mir
Innere Anteile, Muster Und Ehrliches Hinterfragen
Speaker 1vorstelle, An Sophie arbeitet mal nicht auf 120 Prozent oder ist mal nicht am Leisten und Machen und Tun, ist mal nicht effizient, ja, gibt mal nicht Vollgas. Wie komme ich dann in dem Moment mit mir klar? Und welche Stimmen werden dann laut? Das finde ich auch einen sehr, sehr wichtigen Teil, gerade in der Argumentation, ich habe doch keine Zeit, jetzt noch eine Praxis einzubauen. Die Hinterfrage, warum ich keine Zeit für meine Praxis habe, ist allein Teil der Praxis, würde ich sagen.
TimoMan kann ja effizient auch dahingehend übersetzen, dass es sehr effizient sein kann, sich mal im Müßiggang zu üben und einfach mal für sich die Akkus aufzuladen. Das ist ja auch, hat ja auch was mit unseren Glaubenssätzen zu tun. Richtig. Aber ich glaube so, du hast ja eben eigentlich auf wundervolle Weise beschrieben, was Mitgefühl letzten Endes umfasst, weil Mitgefühl heißt ja wirklich wahrzunehmen, was ist, aber ohne uns dafür zu verurteilen. Also das ist ja eine Notwendigkeit, wenn ich etwas verändern möchte, um vielleicht auch nicht überrascht zu sein. Beim Kühlschrank ist es jetzt vielleicht nicht so wichtig. Aber wenn ich jetzt immer wieder ausraste, dann, wenn ich mich immer wieder darüber wundere, dass ich ausraste, dann habe ich das Ausrasten nie erforscht. Weil ich nie das Mitgefühl aufgebracht habe, zu gucken, warum raste ich aus. Weil wir häufig als Menschen einen Fehler machen, also aus meiner Sicht ist es wirklich ein Fehler, ich benenne es auch so, unsere Wertigkeit als Mensch mit unserem Verhalten gleichzusetzen. Das ist so nicht. Also wir haben halt einfach verschiedene innere Bedingungen, die dazu führen, dass wir halt auf eine gewisse Art und Weise agieren. Nicht immer, aber manchmal. Und wenn die inneren Konstellationen ungünstig sind und meine emotionale Elastizität noch nicht so ausgebaut, dass ich es mich immer karmieren kann, dann raste ich vielleicht auch nochmal aus. Und wenn ich aber jetzt sage, boah, ausrasten geht gar nicht, weil es geht gegen meinen Wertekontext. Ich bin ein böser Mensch. Dann werde ich natürlich das Ausrasten A nie untersuchen, weil ich mich da nicht rantrau, weil ich mich mit meinem Bösein in Anführungszeichen nicht beschäftigen möchte, weil das würde ja schlechtes Wissen, Licht auf meinem Ich-Bild werfen, müsste ich mir was eingestehen. Also muss ich ja einen Modus finden, quasi zu erkennen, was, welche inneren Bedingungen und inneren Gedankengänge führen immer wieder an gewissen Stellen meines Lebens und einer gewissen Situation dazu, dass ich ausraste. Und dann darf ich natürlich nicht sagen, okay, ich bin böse. Ich darf aber auch nicht sagen, oh, ich bin toll, sondern ich kann sagen, die Wertigkeit als Mensch ist. Unhinterfragt, aber das Muster, was da gefahren wird, das ist für alle unglaublich ungünstig und nicht gerade heilsam. Also, was kann ich beim nächsten Mal tun, weil ich diese inneren Dialoge untersuche mit Mitgefühl, also weil ich sie zulasse und anerkenne, dass sie sind. Nicht sage, es ist super, wie es ist, aber anerkennen, dass sie sind. Dann kann ich mir ganz konkret was vornehmen. Okay, wenn ich das nächste Mal an diesen Punkt komme, werde ich versuchen, dies und dies zu machen. Und das ist ohne Mitgefühl gar nicht möglich. Deshalb glaube ich, braucht es immer auch diesen Abgleich und diese Freundlichkeit mit sich, ohne schwammig zu werden und zu sagen, na, ich bin halt so, mich gibt's nur so. Liebe mich wie ich bin. Weil das ist ja dann eine Form von Hochstatus und ich habe eigentlich überhaupt keine Lust darauf, mich zu verändern. Und gleichzeitig, nur um den Gedanken zu Ende zu führen, für alle, die jetzt zugehört haben, besteht die Yoga-Tradition auch nicht daraus, sich für andere komplett Platz zu machen. Also alles, was atmet, ist gleichwertig. Und wenn ich merke, ich habe einfach nicht mehr den Saft in meiner Batterie, dann kann ich auch nicht geben. Es gibt bestimmt mal Situationen, wo wir mehr geben, weil wir merken, boah, dem anderen geht es halt einfach noch viel schlechter. Ich gebe jetzt mal mehr, als ich eigentlich könnte. Aber ich muss mich auch wieder aufladen. Ja, weil das wäre ja auch ein Negieren der eigenen Wertigkeit als Mensch. Wenn wir immer nur sagen würden, serving, serving, serving. Also wir müssen halt in gleichen Teilen auch uns serven und uns gerecht werden. Und ich glaube, da braucht es wirklich ein hohes Maß an, puh, ich würde eigentlich modern sagen, sozialer Kompetenz, sowohl für sich zu sorgen, als auch die anderen in die eigene Überlegungen mit einzubeziehen.
Speaker 1Wichtiger Punkt. Ja. Vielleicht darf ich da noch abschließend einen Gedanken einfach hinzufügen. Du sagst, die eigenen Batterien aufzuladen. Das ist ja nicht nur in meinem Interesse, sondern im Interesse aller. Wie soll ich sonst weitergeben, wie soll ich da sein? Und dieses Aufladen der Batterien, also sprich auch die ganzen Regenerationsprozesse, die Art und Weise, wie auch unser Immunsystem aufräumt und bestimmte Reparaturmechanismen wieder stattfinden und sozusagen, salopp gesagt, die Selbstheilungskräfte gestärkt werden können. Das passiert nur im Parasympathikus. Dafür brauchen wir Regenerationsphasen. Sobald wir die einsparen und großflächig, langfristig einsparen, kann Heilung nicht stattfinden, sondern das Gegenteil, das ist die Ursache von allen erworbenen chronischen Erkrankungen unserer Zeit, ist dieses zu lange, zu stark Brennen, Sympathikus-Aktivierung häufig ja gar nicht wahrgenommen, weil es zu einem neuen Normal wird über die Zeit, dieser chronisch Spaß macht. Also da ist ja auch eine gewisse Abhängigkeit vom Stress selber dabei, ein Selbstverständnis ist mit dabei und Strukturen entwickeln sich um diese Leistungsfähigkeit herum. Das ist natürlich sehr komplex, aber einfach um zu ergänzen, dieses, ich sollte auch mal bei mir schauen, dass ich die Batterien wieder auflade, das ist auch, wenn wir jetzt aus einem therapeutischen Kontext heraus argumentieren, damit steht und fällt alles. Ansonsten wird der Körper nicht Heilung priorisieren. Dann stehen andere Dinge an und das macht evolutionär alles Sinn, das ist gut, aber es ist notwendig, dass diese Regenerationsphasen nicht nur einmal im Jahr eine Woche Urlaub, sondern immer wieder in einer gewissen Regelmäßigkeit. Vielleicht in einigen Fällen ist das dann die Praxis, diese Regenerationsphasen einzubauen, dass das stattfindet, regelmäßig.
TimoDas würde ganz klar dafür sprechen, dass die Praxis dann kein Gewaltakt sein darf. Sie muss ausgleichend sein, sie muss näherend sein. Absolut. Und ich würde auch gerne sogar noch ein Tüppelchen weitergehen, nur dahingehend, dass ich behaupte, es gibt keine einzige Praxis auf der Welt, zumindest keine, die mir bekannt wäre, in der wir uns mal ebenso aus einer hochgestressten Lage so richtig runterregulieren könnten und würde sagen, boah, jetzt habe ich ja eine Stunde Yoga gemacht, jetzt bin ich wieder unten, das funktioniert nicht. Also wenn meine neben dir einen Rinden einfach irgendmal sagen, hier, ich streike jetzt, dann kann ich nicht sagen, 90 Minuten Yoga, dann funktioniert das wieder. Oder nicht mal zwei Wochen Urlaub. Ich meine, der Körper hat ja so Notschalter, die nennen sich dann halt Burnout bei uns. Wenn der Körper eigentlich sagt, eben kannst du mich mal, eben streike ich. Ist ja gut, dass wir das haben. Weil sonst würden wir es komplett platt machen. Aber ich glaube, man darf, also Yoga-Praxis muss, glaube ich, was zum Wachsen sein, muss regenerativ sein, aber sie kann nur in dem Maße regenerativ wirken, wie wir auch unser Leben drumherum halbwegs sinnhaft gestalten. Und wenn wir uns dauerhaft heillos überfordern, kann uns die schönste Praxis aus meiner Sicht nicht retten. Seit denn du hast irgendeinen absoluten neuen Neurocheat, den ich nicht kenne, von dem ich noch nie was gehört habe, dann verrate ich mir die jetzt an dieser Stelle.
Speaker 1Ich sag dir dann Bescheid, wenn ich ihn gefunden habe.
TimoJa, ich bitte darum. Ich bin der erste Abonnent.
Speaker 1Ja, genau. Ja, wunderbar.
TimoIch würde gerne noch ein kleines Thema für die nicht aufmachen, aber erwähnen. Ich glaube, unser Grundthema war ja, wie können wir eine stabile Praxis etablieren, wie können wir eine Beständigkeit in der Praxis etablieren, weil es haben nicht alle Lehrer. Ich möchte nur nochmal betonen, dass ich glaube, im Sinne des Akkus anderer aufladen können, man den eigenen Akku aufladen muss und dafür schon eine Praxis braucht. Ich glaube aber vor allem, dass wir in unserer Selbstverständlichkeit als LehrerInnen auch davon abhängen, dass wir eine eigene Praxis haben. Ich kann nur von mir sagen, ich könnte mich nicht ernst nehmen in der Rolle, hätte ich keine Praxis. Und ich glaube vor allem,
Ethik Im Alltag, Regeneration Und Lehren
Timodass wir keine Quelle haben, aus der wir schöpfen, um andere zu inspirieren, haben wir keine Praxis. Weil die Praxis ist ja wirklich auch der Motor, der uns immer in diesem Fahrwasser hält, andere inspirieren zu können. Und wenn das nur aus der großen Rende kommt, halte ich das für durchschaubar.
Speaker 1Ich halte es auch für durchschaubar und ich halte es auch für ersetzbar. Also dieser Austausch und ja, auch, wenn wir jetzt wissenschaftlich sagen würden, eine Yoga-Klasse für mich ist immer ein riesiger Raum der Choregulation. Das, was ich mit anbiete, also wir können über Transmission sprechen und energetische Geschichten und die eigene Praxis und wie ich es anleite. Aber auf Basis des Nervensystems würde ich sagen, Choregulation. Wenn das nicht stattfindet, weil ich das nicht halten kann, dann kann ich auch eine Aufnahme abspielen, wo eine KI-Stimme sagt, so, jetzt machen wir stehende Vorwärtsbeuge, drei Atemzüge ab dafür. Aber diese menschliche Komponente, die braucht genau diesen Angst.
TimoUnd ich glaube, wenn eine Lehrer und eine Lehrerin wirklich in der Ruhe ist, also in der inneren Ruhe, in der Aufgeräumtheit, in sowas wie Varagia, das A, das einfach durch uns durchfließt. Also, das mag man mir jetzt glauben oder nicht, aber ich unterrichte nicht aus der größeren Runde, auch nicht aus dem Präfrontalkontext. Ich unterrichte irgendwo zu einem limbischen Systemen in meinem Bauch. Also das ist irgendwie, das ist halt einfach da. Und wenn das so nicht ist, das gibt doch Klassen, das ist nicht so, aber ich würde mal sagen, in 85% ist es der Fall, dann finde ich die auch nicht gut. Aber ich glaube, wenn du in einer Ruhe bist, dann machst du ja auch die Erfahrung, dass die Leute aufgeregt in deine Stunde kommen können und du es schaffst, durch dein Nervensystem sie wirklich kurz zu regulieren, die sind am Ende ruhig. Weil deren Spiegelneuron irgendwie verstanden haben, geht ja. Weil er oder sie da vorne kann auch. Und ich glaube, ich sehe das auch bei meinen Hunden etc., wir currigen sehr dauernd, dass es ganz, ganz wichtig ist, wenn wir in eine Klasse kommen, in welcher Stimmung kommen wir rein? Und ich halte es, gerade im Bereich Yoga mehr als in vielen, vielen anderen, weil wir dealen mit Moral, mit Ethik, mit Selbstfindung, mit Selbstentwicklung, mit all diesen Dingen. Wenn wir da keine Tools entwickeln und unser Leben so gestalten, dass wir ungestresst, unaufgeregt mit einem guten, positiven, zugewandten, offenen, freundlichen, liebevollen Mindset in die Klasse zu gehen, wenn wir das nicht herstellen können, machen wir schlicht und ergreifend keinen guten Job. Und deshalb glaube ich wirklich, dass das allein schon dafür, ich danke dir sehr für die Korregulation, wirklich, weil das so ein wichtiger Punkt ist, dafür allein schon eine eigene Praxis haben müssen. Und die muss ja nicht mal so viel auf der Matte sein. Das kann eine Meta-Praxis sein, eine Atempraxis. Und du machst vielleicht nur zweimal die Woche Asana. Auch gut.
Speaker 1Ja. Schön. Ach Timo, ich glaube, das ist doch ein guter Moment. Ich bin motiviert, ich habe jetzt keine Zeit, die Matte auszurollen, also im übertragenen Sinne. Ja, genau. Ich bin jetzt auch dabei, die Batterien wieder aufzuladen. Und ja, ich hoffe an alle, die jetzt zugehört haben, dass ihr viele verschiedene Aspekte dieses ganz komplexen Bildes für euch mitnehmen konntet und in die Freude, in die Neugierde, auch in die Konfrontationsbereitschaft, die die eigene Praxis ja per se mit sich bringt zu finden. Und jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag ein bisschen. Absolut.
TimoIch sage an der Stelle auch Dankeschön, sage Dankeschön an dich als Insider. Wir sehen uns ja am Freitag auf dem Sound Sea Festival. Freue ich mich drauf. Weiß auch jeder, wann der Podcast entstanden ist. Mitte Ende Juni 26. Ich freue mich und ich freue mich auf unser nächstes Thema. Vielleicht fällt dir wieder so ein spannendes Thema ein. Und für alle meine, für alle meine ZuhörerInnen sage ich einfach vielen Dank fürs Zuhören. Und inspiriert uns mit Ideen, mit Vorschlägen, weil das ist immer das Größte meiner Mankos. Ich kann bestimmt nicht alle Themen bedienen, aber ich glaube, auf manche komme ich auch schlicht in Ergreifend nicht. Deshalb bin ich da immer sehr dankbar für Themenvorschläge. In diesem Sinne danke ich dir und euch.
Speaker 1Danke dir.