Timo Wahl YOGA-PODCAST
Timo Wahl YOGA-PODCAST
#46 Das Richtige Maß - Die Kunst dauerhaften Abwägens
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Hast Du Fragen oder Anregungen..?
Du merkst, dass du ständig zwischen Extremen pendelst: erst strenge Disziplin, dann kompletter Kontrollverlust? Genau darüber sprechen wir, ganz ungeschönt und alltagstauglich: Wie findet man das richtige Maß, ohne sich mit Regeln zu fesseln oder alles schönzureden? Wir nehmen die Idee eines dynamischen Gleichgewichts ernst und schauen, warum „mehr vom Guten“ oft in Druck, Schuldgefühle und Frust kippt.
Wir verbinden Yoga-Philosophie mit Praxis: Tugend als Mitte zwischen zwei Polen, Buddhas mittlerer Weg, die Yamas als moralischer Kompass und Brahmacharya als kluger Umgang mit Energie. Dazu kommt Ayurveda als Perspektive auf Gesundheit: nicht starre Dogmen, sondern individuelle Balance von Qualitäten. Was dich stabilisiert, kann bei jemand anderem schon zu viel sein. Genau deshalb lohnt sich Spüren, Beobachten und Nachjustieren statt radikaler Kehrtwenden.
Wir sprechen auch über Genussfähigkeit und den mentalen „zweiten Pfeil“, der aus einer Pizza sofort Selbstabwertung macht. Und wir setzen einen Kontrapunkt zur Yoga-Bubble: Yoga ist nicht nur Selbstfürsorge, sondern gelebte Verantwortung im Miteinander und in der Gesellschaft, mit Klarheit statt Angststeuerung. Am Ende bleiben konkrete Takeaways: kleine Schritte, weniger Abhängigkeit von Routinen, mehr echte 24-7-Praxis.
Wenn dich Themen wie Yoga, Ayurveda, Nervensystem, Gewohnheiten, Langlebigkeit und Balance zwischen Selbstfürsorge und Altruismus beschäftigen, hör rein. Abonniere den Podcast, teile die Folge mit einem Menschen, der gerade zwischen Extremen festhängt, und schreib uns: Wo wünschst du dir mehr Maß?
So, herzlich willkommen zu einem neuen Podcast. Katharina, du bei mir, ich bei dir.
SPEAKER_01Ja, wunderbar, Timo, herzlich willkommen. Und danke, dass ich da sein darf.
TimoUnd wir haben heute so eine, ich habe gerade gesagt, so eine Raw und Rough and Dirty Session, weil A bei mir im Hintergrund sind Bauarbeiten. Ich weiß nicht, ob man die hört, ich kann sie nicht ausblenden. Gegenüber wird ein Haus saniert. Meinen ist ja ganz schön für die, die dann bald einziehen.
Ankommen Und Thema Setzen
TimoInsofern lassen wir es mal laufen. Und ich habe bis eben vor gefühlt zwei Minuten gesagt, Katharina, worüber sprechen wir heute? Und sie hat offenkundig, du hast offenkundiges Thema dabei. Bring uns auf den neuesten Stand Katharina. Worum geht es heute bei uns beiden?
KatherinaDas ist schön. Das ist witzig, weil nämlich das Thema, ich habe so eine kleine Liste in meinen Notizen im Handy, immer wenn mir irgendwie ein Podcast-Thema einfällt, dann tillere ich das da rein und es steht schon ewig da drin. Und ich habe immer gedacht, ich warte auf den perfekten Gesprächspartner oder die perfekte Gesprächspartnerin. Weil ich finde, das ist ein ganz, ganz großer Schlüssel, ähnlich wie Branajama für Nervensystem und so weiter. Ich finde, das gute Maß hat ganz, ganz viel für mich mit Yoga zu tun. Mit sich spüren, mit, und auch vielleicht, ja, wir können ja mal gucken, wie wir rein starten. Also ich finde tatsächlich, dass es so zwei Tendenzen gibt in meiner Wahrnehmung, was oft passiert. Nämlich das eine ist so diese Bewertung von was ist gut und was ist schlecht. Und immer so ein Glaube von mehr vom Guten ist auf jeden Fall noch viel besser. Dann ist es schon fast wieder so ein bisschen druckvoll und kipp oft, finde ich. Und macht auch manchmal dann keine Freude mehr. Und das andere ist, dass so viele Patentrezepte auch rausgehen überall, die so starre Regeln beinhalten. Und ich finde, das ist so überkopft und lässt einen auch wieder keinen richtigen Raum, so im Sinne von auch wieder immer wieder das Yoga auch wirklich hinzuspüren, was braucht es wirklich und nicht dieses, dann ist Abendessen oder dass es erlaubt, das ist nicht erlaubt und das ist gut und das ist schlecht. Also in so eine Richtung würde ich gerne heute mal sehr gerne schauen mit dir.
TimoDa die Aufnahme schon läuft, behalten wir es auch bei. Also sprich, wir nennen die Session heute das richtige Maß.
SPEAKER_01Ja.
TimoDa fällt mir ad hoc ein, die Idee der Tugenden, nach Aristoteles. Aristoteles hat ja die Tugenden definiert, eigentlich als zwei Punkte zwischen zwei Extremen, also als ein Punkt zwischen zwei Extremen. Und wir glauben, ich knüpfe so ein bisschen an dem an, was du gerade sagtest, deshalb finde ich auch ein schönes Thema fürs Yoga, generell
Tugend Als Mitte Zwischen Extremen
Timofürs tägliche Leben. Wir haben ja ganz gern so eine Idee vor der Nase, was richtig oder was gut oder was erstrebenswert ist. Und wir haben auch eine Idee, der Dinge, die vielleicht so in unser Portfolio, das wir besitzen möchten, nicht reinfallen. Und ich glaube, wir machen in der Tat häufig den, ich nenne es mal einen Fehler, dass wir uns dann für eine der beiden Seiten entscheiden und dazu neigen, die vielleicht zu übertreiben. Und wir wissen ja, dass wir, ich denke mal an Yin und Yang, dass wir immer beides in uns tragen, immer. Und dass wir auch das vermeintlich Gute ja nur in Gegenwart des weniger Guten überhaupt erkennen können, sonst hat es ja gar keinen Wert, wenn es in keinem Verhältnis oder im Bezug zu seinem steht. Aber wir glauben häufig auch, dass wir vielleicht nur nach dem einen streben und übertreiben es gerne. Und wenn ich mal so den Begriff der Tugend definiere, es gibt von Schulz von Thun so ein schönes System mit den Entwicklungsquadraten, das kennst du wahrscheinlich. Das hat man dann irgendwie an der Uni, ich glaube, Den Haag oder Amsterdam zu den sogenannten Kernquadraten weiterentwickelt. Und das dielt genau damit, nämlich zu schauen, wie verorten wir uns eigentlich und eine Tugend, also etwas Sinnvolles, ist immer definiert zwischen zwei Extremen. Also wenn wir bei der rechten Anstrengung sind, dann wäre das zwischen Lethargie, Nichtstun, Ausruhen und Kopf durch die Wand, voller Rohr, Dauerfeuer und 150 Prozent. Ich glaube, ja, ich glaube, das ist ein gutes Thema fürs Yoga.
SPEAKER_01Ja, finde ich auch.
KatherinaJa, das ist auch, ja, das ist ein schönes Beispiel auch dafür. Und auch mit diesen Mesotis-Tugenden, weil ich finde immer so, im Ayurveda hat man das auch so schön, dass immer diese Extreme, das ist also, ja, das ist schon so ein Wunsch auch, oder so eher dahin zu gucken, dass man vielleicht die Extreme auch vermeidet und sich relativ tatsächlich auch, das finde ich auch wichtig, relativ frei zwischen diesen Extremen, aber ziemlich weit hin und her bewegen kann, dass das nichts Starres ist oder Gleichgewicht mit 25 irgendwie mal für sich definiert und mit 50 versucht man irgendwie angestrengt dieses Gleichgewicht von 25 Jahren aufrechtzuerhalten oder dem vielleicht hinterherzujen. Also, dass es so ein ganz dynamisches Gleichgewicht ist und sehr nach Lebensphase, nach Situation oder auch ja auch zutiefst individuell, also was für den einen Menschen, also vielleicht gerade ich hatte jetzt auch so eine Folge nochmal so eine kleine zum Nein sagen gemacht und war da auch, weil für manche Leute kann das bedeuten, öfters mal vielleicht Nein zu sagen im Sinne von für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Und für andere Menschen kann es vielleicht auch bedeuten, einmal weniger Nein zu sagen auf dem Weg in ein gutes Maß, wenn man dann nur noch an den eigenen Bedürfnissen hängt. Das hatten wir ja öfter im Podcast auch schon mal so mit andiskutiert.
TimoDu hast ja auch gesagt, dynamisches Gleichgewicht. Also es impliziert ja für mich schon vom, ich finde es schön gewählt, weil es impliziert ja die zwei Dinge. Nämlich A, dass es ein Gleichgewicht ist und damit nie ein Extrem sein kann, weil es immer zwischen zwei Extremen pendelt. Und zweitens, dass es dynamisch ist. Und ich möchte mal für alle Zuhörer zuhören an einen, den wir, glaube ich, alle kennen, erinnern, einer, der, der die Erleuchtung für sich in Anspruch genommen hat, Buddha. Und Buddha hat ja den Weg, also den sogenannten
Buddhas Mittlerer Weg Als Praxis
Timomittleren Weg, etabliert. Weil ja damals diese ganzen Sanjassens, diese ganzen Sinnsuchenden, eigentlich viele kamen, also er kam aus der totalen Völlerei, also er hatte am Hof seines Vaters als Prinz, als Königs von alles, alles, also so dieses totale, typische Wohlfühlglück, alle sinnlichen Freuden. Und dann war ja seine erste Idee zu erkennen, raus aus dem Leid zu wollen, sich anderen Schulen und Lehrern anzuschließen, um zu lernen, sich den Schulen anzuschließen, wie sie ja damals weit verbreitet waren, die so diese komplette Askese, dieses krasse Tapas im Sinne von der Komplettaufgabe und der kompletten Überwindung auch der Körperlichkeit gepredigt haben. Und der war ja, deshalb finde ich das immer so lustig, wenn man diese dicken Buddha-Figuren sieht, ja, der war ja wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt wirklich dick, wobei das aus dem Chinesischen kommt und Glück symbolisiert, aber viele assoziieren, Buddha bauchen, dicken Bauch, ist ja totaler Käse. Aber er war ja so ausgemerkelt, dass er der Legende nach kurz vor dem Verhungern in ein Flussbett fiel und zwei Kinder ihn rausgeholt haben, an den Baum gelehnt, vor dem er dann letzten Endes diese Erleuchtung hatte. Und das Erste, was er merkte, ist ja, wenn du zu sehr ein Extrem gehst, nehmen wir mal die Völlerei und nehmen wir mal dieses komplette Attachment, diese komplette Raga-Energie, diese Ich will mehr, dann wissen wir aus dem Leben schon, wenn wir uns dauernd mit Dingen umgeben, dann bekommt es für uns unserem Pfarrwasser Normalität und wir wollen immer mehr. Wenn wir uns mit Leuten umgeben, also die meisten von uns, oder es gibt verschiedene auslösende Faktoren, die irgendetwas haben, können, besitzen, tun, machen, was vermeintlich erstrebenswert ist, wollen wir das auch. Und dann kennen wir irgendwann keine Grenze mehr und definieren uns dann darüber. Dann ist quasi diese Messlatte, wann sind wir als Mensch gut, plötzlich etwas, was wir können oder haben oder wissen. Und dieses totale Entsagen auf der anderen Seite hat aber den Geist so dumpf gemacht, dass er gemerkt hat, er ist gar nicht imstande, irgendetwas zu durchdringen, geistig, sich quasi zu finden. Und insofern finde ich das schon, wenn man es sich aus dem Yoga heraus anguckt, weil der Buddhismus hat ja die Yoga-Philosophie maßgeblich mitgeprägt, ist es im Yoga ja zutiefst verankert. Und ich glaube auch die Herausforderung, diesen Weg der Mitte zu suchen. Weil ich glaube, es ist unglaublich einfach, sich so ein Leitmotiv anzudocken und zu sagen, so ab jetzt mache ich nur noch das und das nicht mehr. Da muss man mich auch nicht mehr denken und auch nicht mehr entscheiden, das könnte ja anstrengend sein. Statt wirklich eigentlich in jedem Augenblick voller Aufmerksamkeit abzuwägen, was braucht es denn jetzt? Das ist ganz schön anspruchsvoll, diese Mitte zu gehen und finden.
KatherinaJa, absolut, absolut. Das ist vielleicht auch die Sache im Yoga oft, auch gebe ich mich in so eine dogmatische Tradition rein und folge einem Guru und mache, was der sagt. Ist ja auch manchmal führt es in ein großes Extrem und auch eben, ja, vermeintlich erstmal einfacher, aber eigentlich der schwierigere Weg und langfristig. Ja, absolut. Und gleichzeitig dieses eigene, ich finde das schön, das ist ja auch was Brahmacharya sagt. Also tatsächlich, glaube ich, gehört das auch zum Leben dazu, dass man selber immer wieder neu gut hinspürt und hinguckt für sich, weil kein Weg am Ende daran vorbeiführt, wenn man wirklich auch mit sich in einer Weise im Gleichgewicht auch leben mag oder auch mit seiner Energie gut haushalten mag. Weil Brahmacharya ist ja auch eigentlich im, also oft ja in diesen sehr, ich weiß gar nicht, aus dem Original Kontext bei Patanjali ja wirklich eher als Enthaltsamkeit definiert. Ich glaube, da bist du tiefer drin. Gleichzeitig aber es das richtige Maß im Handeln, oft in dieser modernen Sichtweise.
Dogmen Und Brahmacharya Neu Verstehen
TimoAlso, um jetzt einen kleinen Ausflug zu machen für alle, die die Pramacharya kennen oder auch nicht kennen, wobei ich das eigentlich ganz, ich finde, das dockt ganz schön an unser Thema an. Machen wir es mal so auf, um das Pramacharya mit einzutöten. Ich glaube, das ist, weil wir waren ja gerade an dem Thema, docke ich mich irgendjemand an oder nicht? Und ich vergleiche den ganzen Yoga-Weg immer so ein bisschen wie laufen lernen. Also wenn du halt noch nicht laufen kannst, dann brauchst du schon Du Synthones. Dann brauchst du einen relativ engen Korridor, sonst fällst du ständig auf die Nase und lernst nie laufen. Je sicherer du aber in deinem Tritt wirst, desto weiter muss ja, damit du dich entwickeln kannst, um nicht in diesen starren, engen Linien von, ah, das ist richtig und das ist falsch zu bleiben, dieser Korridor werden. Und ich glaube, ähnlich ist es beim Lehrer. Also ich glaube, es ist am Anfang schon ganz gut, erstmal ein System zu üben oder einem Lehrer zu folgen, bis man merkt, und ich rede jetzt nicht von der modernen Amazon Instant Prime Gesellschaft, also morgen muss schon alles anders sein, sondern das dürfen schon ein paar Monate mal sein, die da ins Land gehen, mit einem gewissen Beharrlichen üben. Aber ich glaube, wenn man dann merkt, okay, jetzt habe ich so das ein oder andere verstanden, dann kann man durchaus mal, ohne zu sagen, ah, der Lehrer reicht mir nicht mehr, aber mal einen weiteren Lehrer-Lehrerin konsultieren, um mal eine zusätzlich weitere Sichtweise zu kriegen. Also jeder hat ja so seinen Blick und sein Tortenstückchen von der Wahrheit. Und ich glaube, ich hatte die großen Vorteile, ich habe von vielen verschiedenen Lehrer, Lehrerinnen gelernt, die sogar alle offiziell das gleiche System übten, nämlich Ashtanga, Vinyasa-Yoga. Und das hat mir die Augen geöffnet, ganz früh, dass ich merkte, okay, die machen alle das Gleiche, machen es alle unterschiedlich. Wo ist also die Wahrheit? Und die Wahrheit ergibt sich ja in diesem Sinne aus dem eigenen Erleben heraus. Und ich glaube, wenn man diese Trittfestigkeit hat, dann kann man da ein bisschen rausgehen irgendwo. Und deshalb glaube ich, das ist das mit allen Dogmen so. Und mit Bramacharya, Bramacharya heißt ja, also Bramacharya, für die, die es nicht wissen, ist Teil der sogenannten Jamas. Und für mich, ich sag jetzt nur für mich, sind die Yamas die von außen aufgepfropfte bis zu einem gewissen Punkt notwendige ethisch-moralische Guideline. Weil wir natürlich nicht von Hause aus moralisch sind. Also wir werden zwar mit einer Grundmoral offenkundig geboren, da gibt es ganz lustige Untersuchungen im Moment drüber. Aber die ist nicht besonders weitreichend. Und nach Kant ist zum Beispiel die niederste Stufe der Moral, die Angst vor Bestrafung. Und deshalb ist es natürlich gut, wenn man miteinander leben möchte, und wir streben ja im Yoga einen sehr altruistischen Gedanken an, wissen, die Gesamtheit und Gemeinheit ist mehr wert oder wichtiger als der, die einzelner, dann muss man sich in einem sozusagen sozialen Gefüge irgendwie bewegen können. Also braucht es erstmal Guidelines. Und ich glaube wirklich, dass die Yamas, Ahimsa, Satyas, der Brahmacharya, Aparigraha, dass die wirklich als moralischer Kompass gedacht sind. Ganz einfach. Das macht man, das macht man nicht. Wenn man dann ein bisschen weiter ist, wenn man das quasi integriert hat durch Tun, dann ist es wie mit dem Laufen lernen, dann kann man, glaube ich, auf einer tieferen Ebene diese Dinge, die erstmal nur in der Anwendung gedacht sind, so verstehe ich sie, auch auf die Ebene des Denkens und der Überzeugung bringen. Also wenn ich jetzt Ahimsa oder Brahma Bramacharya keine sexuellen Empfehlungen, sexuelle Enthaltsamkeit, wenn wir das übertragen, dann ist es in dem ersten Step okay, und dann sind wir beim golden Weg der Mitte. Da sind wir genau bei dem rechten Maß. Dann ist es erstmal okay, um nichts zu entgleisen, übe dich doch bitte erstmal in bewusster Zurückhaltung. Wenn dieses Zurückhalten dazu führt, dass du keine kompletten Neurosen und keine kompletten Süchte, wir haben ja gerade in der heutigen Gesellschaft, er heißt ja Generation Newborn. Also haben wir ja wirklich eine Regelrechte Sexsucht. Und ich glaube, dann haben die Leute, die da drin sind, kein natürliches und sinnvolles Verhältnis mehr dazu. Und ich glaube, wenn man in dieses Verwasser kommt, dass man in einem sinnvollen Verhältnis dazu bleibt, weil man das nicht entgleisen lässt, dann kann man im nächsten Step auch gucken, okay, was ist denn die antreibende Kraft? Da werden wir bei Sigmund Freud, da werden wir bei Anerkennung, bei sozialem Ansehen und vor allem bei dem Bedürfnis, bei Grundbedürfnissen, auch bei biologischen Grundbedürfnissen. Und dann ist man ja auf einer Ebene, dass darüber philosophieren zu Nachtdenken ist. Und dann ergibt sich diese Handlungsebene gar nicht mehr, die ist quasi abgefrühstückt. Und ich glaube, das führt uns aber auf einem ganz schönen Weg, finde ich zumindest zurück zum Kernpunkt, weil ich glaube, dass die Übertreibung manchmal ganz sinnvoll ist, um einen Startpunkt zu haben. Und wenn man dann aber merkt, und da docke ich so ein bisschen an bei dem, was du vorhin sagtest, wenn man dann merkt, okay, das passt für mich, dann kann man später von dem Dogma von den 25-Jährigen als 50-Jähriger sagen, okay, braucht es das jetzt noch, dieses enge Fahrwasser? Oder kann ich es erweitern, kann ich es aufweiten.
KatherinaJa, ja, das ist superschön. Absolut. Und ich finde, ich glaube so, dass auch so Lernen passiert. Ich habe doch immer so ein Bild von so einem Pendel. Also ich glaube, ohne immer wieder wo mal hin zu pendeln, um dann zu bemerken, oh, irgendwie ist es jetzt vielleicht ein bisschen zu viel oder geht in eine Richtung zu doll und verzettelt mich oder destabilisiert mich oder führt mich ein bisschen eigentlich so vom Weg ab. Ohne das zu bemerken, also ohne dass das passiert, würde man gar nicht merken, dass man vielleicht dann wieder was anderes mehr betont. Also um nochmal, also Beispiel, was ja auch jeder kennt, glaube ich, dass man so einmal in jungen Jahren euphorisch ordentlich drüber arbeitet, um dann zu merken, okay, ich sollte mir vielleicht hier und da ein paar Pausen gönnen oder auch mich um mein immer wieder Entspannung balancieren vom Nervensystem zu kümmern, zum Beispiel. Also ich glaube, solange immer man nicht in dem einen Extrem war, ist das andere gar nicht so relevant. Also ich glaube, das ist schön. Vielleicht ist es auch so im Älterwerden, dass man dadurch auch einfach das so erweitert, diese innere Flexibilität auch für die Dinge, weil man über so viele verschiedene Erfahrungen auch gegangen ist, die einen hoffentlich dann auch wieder nicht eng machen, weil man dann der Meinung ist, ich weiß schon, ist auch wieder eine Gefahr drin, genauso wieder.
TimoIch wollte gerade so ein bisschen andocken, weil ich sehe darin, ich sehe darin keine Möglichkeit zu verallgemeinern. Ich würde dem gerne so diese Klammer auf, wenn man sich in Weite auch übt, wenn man sich in Geisterreflexität übt, Klammer zu anbeifügen, weil ich auch viele Leute erlebe, dass sie auf der einen Seite das tun, was du, glaube ich, gerade sagt hast, dass sie mit so einer gewissen arroganten Haltung schon sagen, ich bin jetzt zu alt geworden, ich weiß es besser. Das gibt es einmal, so diese, weiß nicht, wie man das nennen soll. Für mich hat das ein bisschen was Arrogantes oder Überhebliches. Aber auf der anderen Seite erlebe ich auch leider häufig Menschen, die ich mit zunehmendem Alter als eher enger, konservativistischer oder weniger gesprächsbereit oder weniger streitbar erlebe, die dann so eine sehr vorgefertigte Meinung haben und sagen, nee, so ist das. Und ich glaube, das hängt ganz stark damit zusammen, mit wem umgibt man sich und wie stark lässt man auch ein Hinterfragen im Dialog oder auch im Monolog von gewissen Dingen, die wir immer geglaubt haben, so sind sie zu. Ich meine, wir wissen ja alle, ich weiß nicht, wer jetzt alles zuhört, vielleicht auch ein paar ältere. Ich bin jetzt ein Kind der 80er, ich bin in den 70ern, also ich bin 72 geboren, Anfang 72, aber ich bin natürlich so meine Jugend, habe ich in den 80ern
Lernen Als Pendeln Und Selbststudium
Timoerlebt. Und in den 80ern war so eine Stimmung, ja, es ist auch nie alles möglich, da war Glas Nost, Perestroika, da war plötzlich der Mauerfall und wir haben gedacht, krass, es gibt jetzt auch nie wieder Krieg und die Demokratie hat gesiegt, so ungefähr. Der freiheitliche Gedanke hat gesiegt und die Streitkultur und sowas funktioniert. So, und das ist jetzt alles in meinen eigenen Augen teilweise sehr rückschrittig. Und ich merke gerade, wie wenn man in so einer Gewohnheitsbubble ist, wie das halt auch wirklich schwierig ist, weil je länger man etwas in seinem Kopf konserviert, all so ist es, desto selbstverständlicher ist es, umso weniger hinterfragt man es. Und ich glaube, wir sind gerade wieder ein Punkt, wo ich gerade merke, okay, ich muss auch mein Weltbild hinterfragen, weil offenkundig ist das nicht alles so. Es entwickelt sich halt laufend, ich möchte nicht sagen, weiter im Sinne von evolutioniert aufsteigend, aber es entwickelt sich immer wieder um, es ist immer wieder Neurierung. Und insofern glaube ich, ist das ein wichtiger Prozess für uns alle, auch immer wieder zu gucken, sind zum Beispiel so meine Glaubenssätze, aber auch meine Werte. Passen die für mich oder sind die einfach anerlernt? Ist das noch zeitgemäß? Entspricht mein Weltbild wirklich der geglaubten, mehrheitlich empfundenen Realität? Oder muss ich vielleicht da was dran ändern? Und deshalb glaube ich, ist diese Flexibilität, die du gerade meintest, ganz eng daran geknüpft, wie wir durchs Leben gehen. Und wie sehr wir auch bereit sind, uns selbst und unsere Ansichten über uns und das Leben immer wieder zu hinterfragen. Ich glaube, das ist ja das, was der Yoga unter für mich Swadiya meint. Also auch dich selbst immer wieder zu hinterfragen und zu studieren.
KatherinaJa, ja, absolut. Das finde ich ganz schön und ganz wichtig auch. Also ich finde, ja, und auch, also so auf einer ganz individuellen Ebene, ne? Und auch gesellschaftlich, also so beides, glaube ich. Und ich finde, da finde ich im Ayurveda, das würde ich gerne vielleicht auch nochmal da mit reinbringen, weil das ist für mich auch so schön, das ist, das ist, glaube ich, mindestens oder noch viel mehr vielleicht falsch verstanden als Yoga in der Gesellschaft bei Ayurveda. Dieses Medizinsystem ist ja eigentlich, also im schönsten Sinne, eine knallharte Naturwissenschaft so im Background, weil Ayurveda hat auch gar keine Dogmen, sondern sagt eigentlich bei ganz vielen Dingen, wenn du das machst, wird wahrscheinlich das und das sich so und so verändern in deinem Körper. Also das heißt über Verhalten, über Ernährung und so weiter. Und das ist ja auch zutiefst individuell. Also das, was für einen Menschen wirklich zuträglich ist, ist für den anderen vielleicht schon so, dass es am Ende schadet in einem Wiederübermaß. Und ich finde den Gedanken im Ayow da schön. Also zum Beispiel, wenn ich jetzt ein Mensch bin, mal ganz runtergebrochen, wenn ich jetzt ein Mensch bin, der unentwegt friert, zum Beispiel, wenn ich viel so Windäther. Also viel Water, Qualität in mir trage in meinem Körper, Konstitution. Das ist auch oft, also oft wird die Konstitution ja so auf die Psyche gelenkt. Das ist eigentlich nicht so, das ist, glaube ich, so eine moderne Erscheinung. Also über den Körper ist ja auch die Ebene, wo viel über Krankheiten so behandelt wird. Und da ist halt, wenn ich ein Mensch bin, der ständig friert und ich esse
Ayurveda Und Gesundheit Als Gleichgewicht
Katherinazum Beispiel einfach viel warm, dann wird mich das ein Stück balancieren. Wenn ich aber ein Mensch bin, der ständig mit Hitzethemen zu tun hat, was halt zum Beispiel Entzündungsthematiken sind aus Ayurveda Sicht, dann wäre es vielleicht sinnvoller, ich gucke mal, dass ich nicht zu viele Lebensmittel zu mir nehme, die erhitzend sind, zum Beispiel. Also so einfach. Und am Ende finde ich es schön, weil die Definition von Krankheit ist gar nicht wie in der Schulmedizin, dass es sozusagen ein Ding gibt, was einen Namen hat, sondern es ist eigentlich immer ein Ungleichgewicht oder ein Zu viel einer bestimmten Qualität oder Energie in sich. Und das finde ich, das gefällt mir auch sehr gut, weil das ist ja auch der Fokus des Schauens aus Ayurveda-Sicht ist ja auch eher wieder, wie komme ich, wenn ich aus dem Gleichgewicht bin, wie komme ich möglichst dahin wieder zurück. Und nicht im Sinne von, ich behandle eine Krankheit. Das gefällt mir auch sehr, sehr gut, weil ich finde, das ist auch für mich in höchsten Form auch dieses gute Maß, was ja auch total in sich trägt, dass es pendeln darf in alle Richtungen. Also es ist überhaupt nicht starr, außer ich habe jetzt wirklich eine schwere gesundheitliche Thematik, dann ist ja auch das natürlich starrer mit den Empfehlungen. Aber wenn es eigentlich immer nur darum geht, wie kann ich möglichst so leben oder mein Leben auch gestalten, dass ich in einer guten Energie bleibe. Oder auch vielleicht weiß, also das heißt ja auch natürlich, dass man da mal drüber zieht oder mehr rausschleudert, aber dann vielleicht auch wirklich das bemerkt und weiß auch, wie man wieder für sich selber zurück in die Energie kommt. Und das finde ich eine ganz schöne, wie sagt man, also Grundsicht darauf, aufs Leben.
TimoAbsolut, ich glaube, du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an. Also ich bin ja auch deshalb so ein großer Freund der Verbindung, die wir bei uns gemacht haben, Yoga zur Osteopathie, weil es die gleiche Sichtweise ist, dass eigentlich der Zustand, den du hast, immer das Produkt deiner, wir wissen ja auch aus der Physiologie oder aus der Anatomie oder auch aus dem Mindset deiner letzten sechs bis zwölf Monate Lebensführung ist. Und damit dein aktuelles Gleichgewicht. Also der Körper versucht ja immer wieder zu balancieren und auszugleichen. Und viele glauben ja dann irgendwann so, okay, jetzt habe ich so überdreht, dass muss ich die Vollbremse reinhauen. Das kann vielleicht sogar ganz gut sein, und manchmal macht es der Körper von alleine, dass er einfach sagt, okay, jetzt shutdown. Aber grundlegend ist es ja wirklich die Frage: Muss ich zwischen diesen Extremen so hin und her headtern? Also der Klassiker, ne? Völlerei, Diät, Völlerei, Diät. Wir sind alle gut im Nichts essen und dann wieder in uns hineinstopfen. Aber finde ich vielleicht sogar, und da sehe ich die große Herausforderung, in einem Augenblick, wo ich merke, es entgleicht, sind aber beim Stress oder beim Essen, egal wo. Ziehe ich jetzt die Notbremse und sage, nee, jetzt mache ich das Gegenteil, dann glaube ich, arbeite ich an zwei Dingen. A, ich arbeite an dem Glaubenssatz, ich habe etwas falsch gemacht, der ist niehrreich, vielleicht lehrreich, aber auch nicht wirklich, aber ist vor allem nicht näherend. Und zweitens ist die Frage, arbeite ich an meiner Fähigkeit, von Augenblick zu Augenblick situativ wirklich später entscheiden zu können, ist das jetzt okay oder nicht? Oder raste ich danach eigentlich wieder aus und gehe ins Extrem zurück? Also das ist so meine Erfahrung. Und deshalb glaube ich, ist es die größere Herausforderung und auch gleichzeitig viel gewinnbringender, wenn man merkt, auf dem Weg der Entgleisung zu sein oder bereits entgleist zu sein, nicht die 180 Grad Kehrtwende zu machen, sondern zu sagen, okay, morgen mache ich ein bisschen mehr davon und davon. Also auch gar nicht zu sagen, ich esse jetzt keine Schokolade mehr oder ich gehe jetzt nur noch auf die Couch oder respektive ich arbeite nicht mehr, sondern zu sagen, okay, ich werde morgen ganz bewusst einen Teller Gemüse essen und dafür, keine Ahnung, die Schokolade skippen und oder ich werde morgen genau eine Stunde mir können, auf die Couch zu gehen, was auch immer. Und ich glaube, dass darin ein ganz, ganz großer Hebel legen kann, genau wie umgekehrt, wenn jemand lethargisch ist, zu sagen, okay, nicht ab jetzt mache ich nur noch Sport und stehe jedem um fünf auf, sondern zu sagen, okay, wenn ich halt um zehn als es im Bett komme, dann stehe ich mir weg auf jeden Fall auf acht und gehe mal eine halbe Stunde um den Block gehen. So die Nummer. Und ich glaube, dass darin eine große Chance liegen kann, auf einen gesunden mittleren Weg zu kommen. Weil wenn wir nämlich auf diesem Extrem, ein Extrem jagt das andere, bleiben, dann landen wir meines Erachtens auch immer irgendwann im Frust. Immer. Und wir kriegen ja nie die Idee, wir können etwas regulieren, sondern wir sehen es ja immer irgendwie so ein bisschen als Opfer der Umstände von außen. Und es sind ja nicht die Umstände, es sind ja zu 99 Prozent deiner Einstellung gegenüber den Umständen.
KatherinaJa. Oh ja, also das hat große Schönheit, weil ich glaube, das ist schon, also ich nehme das auch viel so wahr, dass das immer auch in den Medien so oder auch Social Media ist, immer so dieses Extreme. Und ich habe da immer so ein großes Bedauern, auch weil mir fehlt dann auch immer die Genussfähigkeit, also um auch bei diesem Beispiel zu bleiben, ich finde es schrecklich. Ich habe auch in meinem Leben immer mal versucht, ohne Schokolade zu leben und es ist mir nie gelungen und es hat immer sehr schlechte Laune gemacht.
TimoDas ist wie mit Kaffee. Leben ohne Kaffee ist möglich, aber nicht schön.
KatherinaAuch nicht sinnvoll.
TimoNicht erstrebenswert.
KatherinaNee, absolut, ja.
SPEAKER_01Und dann gleichzeitig, wenn man sich das erlaubt, also das ist bei mir wirklich, ich würde niemals eine Tafel Schokolade essen, weil ich wirklich jeden Nachmittag zu meinem Espresso nach dem Essen esse ich ein oder zwei Stückchen gute Schokolade.
KatherinaUnd das braucht nie dann mehr. Bei mir ist das manchmal etwas mehr.
SPEAKER_01Okay. Zwei Stückchen.
TimoIch mache die Stückchen extra besonders groß, dann bleiben es nur zwei.
SPEAKER_01Das ist auch gut, gute Idee. Das würde ich mir immer merken.
TimoAber ich würde gerne Entschuldigung, nee,
Kleine Schritte Statt Vollbremsung
Timonee, sprich bitte weiter.
KatherinaWeil ich finde, das ist oft auch so genussfeindlich, wenn diese Regeln dann so starr sind. Also da habe ich wirklich ein Bedauern, weil ich finde, das macht auch ganz, ganz viel Freude und auch schafft irgendwie auch ein anderes Lebensgefühl, wenn man nicht immer pendelt zwischen, jetzt habe ich das gemacht, jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen. Eine meiner Ayurveda-Lehrerinnen hat auch immer gesagt, das schlechte Gewissen wegen der Pizza ist viel schlimmer als die Pizza selber. Aber ich weiß, dass das Lebensrealität von, glaube ich, vielen Menschen auch, dass man sich, wenn man das sich was erlaubt, so ein schlechtes Gewissen hat. Das ist aber Quatsch. Das ist so schade.
TimoIm Buddhismus gibt es einen Begriff dafür, den zweiten Pfeil zu schießen. Also ich will mich nicht mehr ärgern, weil ich jetzt ein Yogi bin, statt mich in der Freude zu üben, in der Großzügigkeit und dann ärgere ich mich, dann ärgere ich mich über den Ärger. Das ist doch Käse. Der Ärger ist da, basta. Und die Pizza war drin, dann feier es, hat sie hoffentlich geschmeckt. Hoffentlich hast du dann nicht, weil du zu lange keine Pizza gegessen hast, dir unsere Billow-Pizza reingezogen, die halt dann auch nicht schmeckt. Das ist ja dann auch was, was manchmal passiert. Ich würde gerne ganz kurz ein bisschen meckern und würde gerne ganz kurz mal mit so einem Zeigefinger, den ich gar nicht mag, aber ich packe den jetzt mal aus, in die Yogaszene winken wollen. Weil in der Yoga-Szene erlebe ich ganz häufig leider auch was anderes. Und das ist auch ein Extrem, nämlich dieses Ich bin so wie ich bin, nimmt mich alle wie ich bin, weil anders gibt es mich nicht extrem. Also dieses alles wird gut bubble, weil man kann auf der anderen Seite halt auch alles irgendwie schönreden. Und ich rede nicht von Reframing, ich rede von schönreden. Also ich will damit nur sagen, unser Leben bewegt sich zwischen Self-Care, wie es so schön heute heißt, ja, wirklich etwas für uns zu tun, aber auch von uns für die Allgemeinheit altruistisch auch einmal anzustrengen. Und ich glaube, wir hatten Zeiten, wo Menschen zu angestrengt waren und zu sehr funktionieren mussten, rein gesellschaftlich. Ich glaube, dass diese Zeiten vorbei sind. Also ich will nicht sagen, dass Leute nicht mehr angestrengt sind, aber ich behaupte, wenn ich mir die Werteentwicklung angucke, wir rotieren und kreisen heute viel mehr um uns als früher. Also wenn sich heute jemand anstrengt in unserem Kulturkreis hier in Mitteleuropa, dann in der Regel für seine Ängsten, klar, aber ich sage jetzt mal engagiert im Job, wenn er sie wirklich was Tolles hat, vielleicht in der, keine Ahnung, unterstützend sein kann, Entwicklungshilfe,
Genuss Ohne Schuld Und Der Zweite Pfeil
Timokeine Ahnung. Arzt, Ärztin, sowas kann ich mir alles vorstellen, aber so der typische Karrierejob, da geht es doch sehr um uns. Aber ich glaube, von dieser Anstrengung, mal abgesehen, ich glaube, wir dürfen uns trotzdem anstrengen für andere. Und ich glaube, dass das manchmal ein bisschen aus dem Fugen gerät. Manche tun zu viel für andere. Große Klammer auf, die Frage nach der Motivation, die möchte ich aber hier nicht stellen, aber ich gebe es mal in Raum rein. Ist das echter Altruismus oder ist das, ich möchte es einfach haben, ich möchte es kein harmonisch haben oder ich bin so erzogen worden.
KatherinaOder auch Anerkennung, sich reinhält, das ist auch ein Glockensystem.
TimoGenau, das System ist. Also Frage der Motivation. Aber ich glaube, wir dürfen gerade in der Yoga-Bubble auch nicht vergessen, dass das Leben halt nicht immer rosig sein kann. Ab und zu ist es mal anstrengend. Ja, und ab und zu muss man sich auch mal irgendwo durchbeißen, worauf man vielleicht keine Lust hat, weil es gerade notwendig ist. Ich will nur daran appellieren, weil ich das auf Instagram und Co. leider ganz häufig sehe, dass dann nach dem Motto, du kannst alles werden, was du willst, wenn du nur willst und du musst gar nichts, nee, das ist Käse. Also nicht jeder kann alles werden, was er sie will. Das ist de facto nicht möglich. Und zum Zweiten erfordert das Leben halt manchmal, dass man sich auch anstrengt, aber man keine Lust hat. Ist halt so. Und es ist jetzt kein Glaubenssatz, weil wenn wir alle zusammen im sozialen Gefüge leben und es läuft man nicht, muss man ab und zu mal anpacken. Ich rede jetzt nicht von Friedrich Merz, aber ich glaube, wir wissen alle, worum es geht. Insofern sei mir dieser kleine Hint gerade erlaubt, weil ich das in der Yoga-Bubble manchmal so ein bisschen überextrem erlebe. Dieses alles ist gut und nee, guck raus, es ist nicht einmal alles gut. Du musst deswegen aber nicht komplett kapitulieren. Das musst du ja auch sagen.
KatherinaJa. Das spricht mir sehr aus dem Herzen, weil ich glaube, das sind genau auch zwei Extreme, wo Yoga und auch außerhalb davon auch viel hinsteuert, dass wirklich man sich so um sich selber kümmert, dass es einfach auch, also eigentlich niemandem dient, weder einem selber noch irgendwem da rechts und links davon.
TimoNee, man muss einfach da dabei überlegen, was Yoga eigentlich für eine Praxis ist. Es ist eigentlich eine Praxis, die das Ego weniger in den Vordergrund stellt. Ich formuliere es mal sehr vorsichtig. Und die eher den Altruismus in den Vordergrund stellt. Und dann geht es halt nicht immer nur um höher, schneller, weiter und wer hat die schönsten Klamotten an. Also ich erlebe das, ich will das jetzt keinem unterstellen, aber ich überlebe das, ich erlebe das auf Instagram halt ganz häufig. Dass da irgendwie so eine Karotte aufgemacht wird, die ich für sehr bedenklich halte, weil es den Yoga in seiner Tiefe überhaupt nicht abbildet und auch überhaupt nicht gerecht wird.
SPEAKER_02Ja, ist richtig.
TimoUnd ich glaube, jeder Mensch weiß, dass Entwicklung halt auch ganz schön anstrengend ist. Entwicklung ist nicht so, ich setze mich hin, mache die Augen zu und da breitet sich das Sternenzelt über mir aus. Also es ist halt einfach anstrengend. Aber wir haben alle auch ganz schön viel Mist erlebt und produzieren täglich Mist. Und damit muss man sich auseinandersetzen.
KatherinaJa, und ein schönes Beispiel dafür ist vielleicht auch, weil ich glaube, uns hören ja auch immer einige Yoga-Lehrende zu, dass es, finde ich, auch manchmal, glaube ich, so ein Schwarz-Weiß, dass man so denkt, also wir haben den schönsten Job der Welt, sage ich immer. Also ich habe auf jeden Fall die Job. Haben wir definitiv inhaltlich.
SPEAKER_01Aber wir haben auch, wir sind auch, was wir sagen, Leiter.
KatherinaAlso man ist auch natürlich Unternehmer, Unternehmerin und hat da so ein paar Dinge zu handeln, wie Ämter, Vorgaben, Finanzamtgängelei und so weiter als Selbstständige. Irgendwie, weiß ich auch nicht, also genau. Also da sind auch wirklich Sachen drin, wo man sich denkt, die bräuchte ich jetzt eigentlich nicht. Und es wäre schön, man hätte viel mehr Zeit auch wirklich zu unterrichten, aber es gehört eine Menge anderes auch dazu. Und ich finde, das ist voll in Ordnung. Also, aber es ist nicht die ganze Zeit rosa-rot, das finde ich immer auch wichtig, weil das ist manchmal so eine Flucht in einen rosa-rot Traumjob rein. Das hat auch, auch da hat es Anstrengungen.
TimoVollkommen. Ich meine, du, das ist ja auch deine gesunde Mitte oder meine gesunde Mitte, das Mittelmaß. Ich meine, wenn du dich hinsetzen und sagst, ich bin Yogi, mich interessiert das Finanzamt nicht, dann hat das ja nichts mit Weisheit zu tun, sondern mit Weggucken. Also du blendest dann ja die Dinge, die dir nicht passen in dem Moment aus. Wo ist denn da die Entwicklung? Also es ist halt einfach so, wir leben halt nicht auf dem Kalasch, sondern wir sind eingebettet in ein System, was halt so aktuell funktioniert. Und das ist halt so. Und ich glaube, das ist auch die viel größere Herausforderung, halt innerhalb dieser sich schnell bewegenden und lauten und bunten und schrillen, zum Teil, sehr schrillen Welt, so viel Kontenance und inneres, echtes Gleichgewicht und Ruhe zu bewahren durch diese Praxis, wie es halt möglich ist. Und ich möchte noch an einen Punkt ansetzen, weil ich glaube, dass das in der Yoga Bubble auch ganz häufig ist. Ich denke mal an die Bhagavad Gita. This is one of the ganz, ganz wichtigen Yoga-Schriften. And in der Gita geht es zwar um den Kampf in uns selbst. Es geht also das Schlachtfeld der Kuru, this is our inner schlachtfeld. But not for me by all extremes that I believe that we as echte, überzeugte Yogis, Yoginis or Yogini vielleicht doch in Kauf nehmen, dass we uns vielleicht auch gerade für einen altruistischen Gedanken in der Gesellschaft sogar mehr und ich will nicht sagen radikal, aber engagierter engagieren müssen. Es war es doppelt gemoppelt. Ich würde es mal so sagen: also wenn wir eine AfD-Beteiligung in der Regierung bekommen, dann was ich schon fast befürchte, dass das passieren kann oder dass es passieren wird, dann sehe ich meine Aufgabe nicht als, ich habe jetzt ein gewisses Maß an Leuten, die ich erreiche, die, wenn alle sehr ähnliches Mindset haben wie ich, aber dann sehe ich meine Aufgabe nicht, die Dinge schön zu reden, sondern eher in den Widerstand zu gehen und zu sagen, hier Leute, guckt mal hin, das ist gerade Käse, was da läuft. Also, was ich damit nur sagen möchte, ich glaube, Yoga zu betreiben, kann auch manchmal, wenn ein Gleichgewicht droht zu entgleisen, bedeuten, dass wir vielleicht noch viel intensiver für etwas einstehen müssen, als wir das vielleicht gerne reell so mit dem Yoga assoziieren, weil wir den Yoga als sehr zurücknehmend, als sehr passiv uns als sehr, ah, wir nehmen alles hin anschauen. Ich glaube das nicht. Ich glaube eher, wenn wir nicht aus einer Wut oder Angst herausgesteuert, sondern mit einem halbwegs klaren Mindset
Yoga Zwischen Selbstfürsorge Und Verantwortung
Timowirklich gucken, was können wir dazu beitragen, einer Balance dienlich zu sein, dann kann es vielleicht sogar bedeuten, dass eine Zeit lang ein gewisses Mittelmaß bedeutet, vielleicht eher ein bisschen, ich will nicht sagen, eine härtere Gangart einzulegen, aber lauter zu werden.
KatherinaAbsolut. Ich finde es ganz, ganz wichtig und schön, was du sagst. Und das ist ja auch, wir haben ja auch wirklich das, ihr seht es leider nicht, der läuft gerade, der Timus Hund, Hünde läuft gerade.
TimoSie hüpft, sie hüpft, weil sie ist ja gerade operiert worden. Und sie, statt auf vier Beinen langsam zu laufen, hüpft sie schnell auf drei und da ich gerade meinen Stuhl rumgedreht habe, ist sie unerschrocken und ist aus dem Zimmer gehüpft.
KatherinaJa, jetzt, ja, ich wollte sagen, wir haben ja auch, also ich glaube, das ist sowieso auch oft falsch verstanden im Yoga-Kontext, diese Positivwascherei, also so, weil wir haben ja auch zu dem, was natürlich zu allen Qualitäten des Herzchakras, was Mitgefühl ist, haben wir ja auch noch ein paar andere Qualitäten, wie die Handlungsfähigkeit aus dem dritten Chakra. Und das ist so schön, wie du sagst, ne, jenseits von Ärger und Angst handelnd in großer Bewusstheit, Klarheit oder auch in großer, also gepaart, ich finde, es kann ja wunderbar Hand in Hand mit dem Herzchakra auch laufen, aber dass wir wirklich auch ins Handeln gehen. Und ja, bin ich ganz auch bei dem, was du sagst. Und auch wirklich, ich habe auch, also in dieser Hinsicht und auch noch breiter ist, finde ich, oft so schade. Ich glaube, das ist vielleicht auch eine Verantwortung von uns Yoga-Lehrenden, das immer wieder auch tatsächlich auch zu thematisieren, dass es nicht so ist, ich gehe in eine irgendwie Yogastunde, wo schöne Worte gefunden werden und dann gehe ich raus und brülle irgendjemanden an, der mein Auto eingeparkt hat oder sowas. Also die Verantwortung geht weiter. Wir üben das ja in der Yogastunde wirklich auch fürs Leben.
TimoJa, fast schon nur, finde ich, absolut.
KatherinaDas macht es ja auch keinen Sinn. Und da ist auch wieder, das ist einfach, also ich finde, das Leben ist auch überhaupt immer nicht nur schön und das ist manchmal sehr anstrengend und manchmal traurig. Also da gehört ja die ganze ehrliche Bandbreite auch an Emotionen dazu, die haben wir ja auch so schön beackert. Das ist, glaube ich, immer, ja, wenn man das, wenn man das beschönigen oder weghaben, dann vergibt man sich selber, glaube ich, am meisten. Und dann ist es auch nicht das Gelebte, was Yoga auch in meinem Verständnis, was die Yoga-Tradition meint und bereithält.
TimoDas heißt ja nicht, die andere Backe mithin zu halten und irgendwie so eine Opferrolle einzunehmen und passiv zu sein. Und gleichzeitig kann es bedeuten, ab und zu mal in Vorleistungen zu treten. Ich war zum Beispiel gestern Abend bei uns, also mir ist das wichtigste Utensil hier im Hause ausgegangen, mal ein Kaffee. Und ich war gestern mit zwei ganz, ganz lieben Schülern und Schülerinnen von mir noch was essen nach dem Unterricht. Und danach bin ich noch zum Edeka. Check-in heißt das da hinten auf der Hanau-Landstraße in Frankfurt, so ein großes Ding haben noch ganz, ganz lange auf und habe mir noch Kaffee geholt. Und dann war ich irgendwie der Dritte, der vierte irgendwie in der Schlange, aber es sind ja abends nicht mehr so viele Kassen auf. Und meine Empfinden war wirklich so, dass die Leute vor mir zu dieser Kassiererin, die wirklich total nett wirkte, so richtig, nicht viel, die waren sehr bei sich wahrscheinlich, keine Ahnung. Aber einer war schon fast patzig und ich habe mir so leid getan. Und dann merkte man richtig, wie sie so irgendwie, also gefühlt so ein bisschen frustriert war, so indigniert, keine Ahnung, in sich gekehrt. Und dann habe ich sie so angesprochen und gesagt, kann das sein, hier kommt so gar nicht viel zurück von ihrer Freundlichkeit. Da haben wir kurz gesprochen. Und ich glaube, wenn man halt diesen Punkt einfach überwindet, vielleicht auch einfach, selbst wenn man selbst müde ist, mal was rauszugeben, dann kostet es ja vielleicht viel Überwindung. Aber auf der anderen Seite, es kommt ja meistens auch so viel zurück. Also ich glaube, gerade in einer Gesellschaft kann man auch ruhig mal den ersten Schritt gehen. Und vielleicht in so eine energetische Vorleistung treten. Und in der Regel kommt ja dann ganz viel zurück. Und ich glaube, dass wir uns manchmal des Impacts gar nicht bewusst sind, den jeder Einzelne, jeder Einzelne von uns hat, einfach durch die Art und Weise täglich durchs Leben zu gehen. Und zwar nicht nur irgendwie auf der Matte im Kopf, sondern es wirklich zu tun. Jemandem, keine Ahnung, was aufzuheben, was runtergefallen ist, einen schönen Tag zu wünschen, auf Wiedersehen oder so diese Anstandsregeln, die wir also kleine Kinder alle gelernt haben, wirklich ins Leben zu tragen.
KatherinaDas ist schön. Ja, total. Also ich kann das nur bestätigen. Ich finde auch weltweit funktioniert das, wenn man Menschen so begegnet. Also ich würde mal sagen, zu 99,9 Prozent ist es Wahnsinn, was wirklich da auch immer wieder zurückkommt. Und ja, schön, den ersten Schritt zu gehen. Das finde ich einen ganz schönen Gedanken auch, ja. Und was mir auch total gefällt, ich weiß nicht, ob du das kennst, also gerade in der Welt, die immer schneller sich verändert oder auch vielleicht immer mit noch mehr Neuerungen und so. Das kennst du bestimmt auch, diese Doku, das Leben der 100-Jährigen.
TimoIch habe die irgendwann mal, also habe ich irgendwas Vergleichbares, ich weiß nicht, ob es das war, was ähnliches. Diese Leute in Italien und welche in Japan, glaube ich, fand ich es.
KatherinaAuch und dann Costa Rica, die hatten diese Blue Zones, also diese Gegenden der Welt, wo besonders viele Leute leben, die über 100 Jahre alt werden. Und ich finde, das ist jetzt nicht hochwissenschaftlich recherchiert, aber es hat irgendwie menschlich, finde ich, hat es was ganz Schönes, weil ich weiß gar nicht, wie der heißt,
Langlebigkeit Ohne Pillenlogik
Katherinader da losgegangen ist. Der hat ja diese Übereinstimmungen gesucht. Und das war ganz spannend, weil am Ende habe ich gedacht, das ist wieder zutiefst auch eigentlich, was Yoga sagt, was Ayurveda sagt, weil das war ein Leben mit allen dabei und alles in so einem ganz schönen Maß. Also die hatten irgendwie ein gutes Maß an Bewegung, also im Sinne auch von viel Gartenarbeit oder so, die sind nicht jetzt da irgendwie mit 100 durch die Gegend gejoggt oder waren in irgendeinem, keine Ahnung, Fitnessstudio unterwegs. Hatten von der Ernährung her auch immer alles. Oder auch mal ein Gläschen Wein oder mal, also Schokolade und so weiter, war alles dabei und die haben das ganz schön berichtet. Und es war auch da, war in höchstem Maße natürlich sinnstiftend, dieses im sozialen Kontext wirklich irgendwie wirksam zu sein. Also auch diese Rolle der Gemeinschaft war auch nochmal riesig. Die hatten die alle. Und das waren so für mich die, also gar nicht überraschend, aber das, wie gesagt, hatte für mich so die schönsten Punkte, waren das auch, dass da, gerade wenn man heute so oder Instagram guckt oder dieses ganze Bio-Hacking und so weiter, das super verrückt. Also, wie muss ich, was muss ich alles für Kapseln schlucken, um irgendwie 120 Jahre alt zu werden? Also das ist immer nur so ein Gleis und dann so extrem. Und ich finde, also mir geht es manchmal so in diesen vielen, ich habe ja auch durchaus da immer eine Offenheit und denke, ach cool, neue Studie, was ist das dann jetzt und so weiter. Und ich finde, mich erdet das total runter, dass ich nochmal da gucke einfach, was braucht es wirklich, auch im Sinne eines simple, also simple not easy. Also nicht im Sinne, man macht sich es irgendwie leicht, aber man holt es auf so eine Einfachheit des Lebens zurück. Da habe ich immer eine große Freude dran und es orientiert mich auch gut. Und vielleicht kann ich das nochmal hier mit rein und rausgeben, sozusagen.
TimoJa, was damit schwingt, ist so ein bisschen, was ich auch im Westen immer sehe. Wir haben immer so, ah, Brokkoli ist gesund, da machen wir jetzt Brokkoli-Kapseln. Also einfach statt den Brokkoli zu essen. Weißt du, es ist, das ist, hier wird viel so, ich meine, ich finde es auch interessant, diese ganzen Longevity-Studien, die gerade laufen. Das ist hochinteressant. Ich finde es auch gut. Also ich finde es toll, sich um sich zu kümmern, sich hoffentlich auch gleichzeitig um andere zu kümmern, keinem auf die Füße zu treten. Aber gleichzeitig sehe ich die Gefahr, wenn das überbordet, dass man halt auch gleichzeitig die Angst entwickelt. Also ich stelle mir jetzt vor, ich haue jeden Tag 30 verschiedene Pillen in mich rein, was ich nicht tue, dann habe ich doch irgendwann, wenn ich diese 30 Pillen mal vergesse, wahrscheinlich gleich den Glauben, dass, oh Gott, oh Gott, jetzt werde ich krank. Also ich glaube, dass so ein Fahrwasser auch ganz schnell so eine dogmatische Einstellung schaffen kann, ohne dass dann auch quasi komplett verkehrt zu sein. Und ich glaube, wenn man sich so ein bisschen beides erlaubt, dann hat man auch immer wieder die Möglichkeit, so ein bisschen auszugleichen und vor allem auch das zu haben, was du vorhin erwähnt hast, schlicht Freude und Leichtigkeit und auch diese Freiheit, nicht irgendwas hinterherlaufen zu müssen, sondern zu sagen, nö, jetzt habe ich Lust auf das Stück Schokolade oder das Glas Wein. Und beim nächsten Tag ist es halt, oh, jetzt mache ich mir einen Rohkostsalat mit Brokkoli und sonst was. Und Sprossen. Also das ist ja, ich glaube, daran liegt auch für mich der totale Reiz. Also mir wäre es schlicht zu langweilig, immer so ein Fahrwasser zu gehen.
KatherinaJa, ja, absolut. Schön. Und gleichzeitig macht es vielleicht auch ein bisschen unempfindlicher, gerade in, ich weiß nicht, auch, also ich finde es auch in den Yogi-Kreisen, dann ist irgendwie, ah, ich probiere jetzt das aus und Silvester und jetzt mache ich das und lasse das weg und so. Also ich finde, das macht ganz gut immun dagegen, auch vielleicht da einzusteigen, weil es die beste Freundin irgendwie wieder so eine Aktion startet.
TimoOder der beste Freund.
SPEAKER_01Oder der beste Freund.
TimoJa, ich erlebe Männer ganz häufig super extrem im Sport. Also ich neige nicht dazu, weil ich habe Sport studiert und ich habe einfach seit langer, langer Zeit überhaupt keine Lust mehr auf Kohrenz und irgendwie sich messen mit anderen. Da kannst du mir mit gestohlen bleiben. Also wenn du sagst, komm, wir gehen jetzt eine Runde Fahrrad fahren, gehe ich sofort mit. Wenn du sagst, wäre es schneller, lass ich dich vorauszahlen, mach mal. Fahr ich lieber noch eine Runde entspannt im Block. Aber ich würde es gerne nochmal auf die Art und Weise übertragen wollen, wie wir Yoga praktizieren, weil ich da auch ganz viele gerade am Anfang erlebe, dass sie glauben, dem Yoga in seiner Tiefe nicht gerecht werden zu können, weil sie nicht genügend Zeit investieren können. Weil ja, ich brauche so lange Asana-Praxis, dann brauche ich so viel Kraft, dann brauche ich Extended, dann brauche ich ein bisschen Loose, dann brauche ich Ying. Ich müsste ja auch noch meditieren und abme müsste ich auch noch und am besten müsste ich noch ein bisschen Philosophie lesen. Und da muss ich mich um meine Ernährung kümmern, da muss ich hier, dann muss ich da, da muss ich dort. Natürlich geht das nicht alles. Und ich glaube auch da glaube ich nämlich, wenn wir von so einem Dogma eine Praxis sei nur gut, wenn, runterkommen und wieder lernen zu spüren, dann passiert uns das nicht, was mir jahrelang passiert ist. Ich habe jahrelanger Stanga Vanyassa gemacht. Und wenn ich morgens um sieben Uhr los musste oder um sechs Ur musste, und dann war das halt so, dann habe ich mal um vier einen Wecker gestellt und mit einem Vier auf die Matte. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich mir mehr Schlechtes tue als Gutes, weil ich in dermaßen krasses Schlafdefizit hatte. Und ich glaube, wenn wir von dieser Idee mal runterkommen, dass es immer etwas Spezielles bräuchte,
Yoga-Praxis Ohne Druck Im Alltag
Timosondern einfach mal gucken, wie viele Anteile hat mein Tag per se für Ruhe, für die gezielte Auseinandersetzung mit etwas oder mit mir oder auch für Aktivität, für schöne Dinge, auch für Arbeit und für Dinge, die einfach gemacht werden müssen. Ich glaube, dann findet man ganz gut eine Balance. Aber ich glaube, in dem Moment, wo man sagt, ich muss jeden Tag dies oder das, entgleitet uns dieses Maß ohnehin. Also ich für alle phlegmatischen, ja, wahrscheinlich braucht es dann so ein, okay, ich muss aber mindestens dreimal die Woche, dann muss ich mir halt ohne die Zeit schaffen. Und für alle Überagilen braucht es dann vielleicht aber auch, dass nein, so und so viel Ruhezeit muss ich halt integrieren. Und vielleicht muss man da über so, keine Ahnung, Zeitzonen im Kalender arbeiten oder sowas, die man vielleicht nicht zu genau definiert, damit es nicht so dogmatisch wird.
KatherinaJa, ja, ist richtig. Weil das ist auch, dann ist man wieder neu in der Abhängigkeit oder Anhaftung drin. Das ist, glaube ich, gar nicht so selten von allem, ne? Egal, was wir gesagt hatten, Yoga-Praxis, Vitaminpillen und so weiter. Ist vielleicht auch immer eine gute Möglichkeit. Wir hatten das jetzt, weil wir waren eine Woche irgendwie ganz bunt unterwegs und ich fand das eigentlich ganz witzig, weil ich für mein Gefühl total wenig Yoga-Praxis hatte und überhaupt auch Bewegung dafür hatte ich ganz viel liebe Menschen getroffen und war beim Kriechnardas-Konzert in Berlin und so weiter. Und habe aber dann so gedacht, ich habe dann so das ein bisschen gefeiert, auch für mich, weil ich habe gedacht, das sollte gehen. Also das muss möglich sein, ohne, also dass das einfach mal eine Woche auch so ist, weil ich halt bei den Nichten bin oder so. Und ich finde das ganz wichtig, also ich übe mich da auch immer ganz bewusst, dass man vielleicht, okay, sagt, das ist jetzt dann halt nicht ein paar Mal die Woche, die Stunde Praxis auf der Matte. Und ich gebe das auch gerne so weiter auch an, also ich habe sonst sehr regelmäßige Praxis, das ist gar nicht das Thema. Aber ich finde das gut. Ich glaube, wenn man davon sich wieder so abhängig macht, dann schafft das wieder neue Themen. Und auch gebe das auch immer gern so weiter an die Schülerinnen und Schüler, weil ich finde, gerade wenn man so bei den Yamas und Ni Yamas ist, ist eigentlich oder Achtsamkeit im weitesten Sinne, ist eigentlich 24-7 Yoga-Praxis auch möglich auf einer anderen Ebene.
SPEAKER_01Absolut, genau, genau.
KatherinaDas ist so ein bisschen von diesen Asana, also ich finde das super wichtig, dass man die regelmäßige Zeit auf der Matte hat. Das ist ganz essentiell, aber dass man es so vielleicht auch da wieder aus so was Druckhaften rausholt, wo dann auch wieder eher das schlechte Gewissen ist, weil das Leben einfach manchmal dann dazwischen kommt. Oder wenn man kleine Kinder zu Hause hat oder so, das ist einfach manchmal nicht möglich, auch bei super Freude und Bewusstheit und einem Zeitmanagement. Da kommt was dazwischen. Also ja, das finde ich ganz schön.
TimoUnd man hat ja auch noch verschiedene Anteile an Persönlichkeit. Also auch das ist ja, die wollen ja auch gelebt werden. Also wir haben ja nicht nur den Yogi in uns, wir haben ja auch irgendwie den Spaßvogel oder den, wir sind mal zerknittert oder wir sind mal, wir haben ja so viele Anteile und die wollen ja auch nicht unterdrückt, sondern auch gelebt werden. Die müssen ja nicht alle ausdifferenziert und unterhalten werden bis zum Ultimo. Da kann man schon gucken, welche Anteile fördert man, aber man braucht ja auch Zeit, auch mal, ich sag mal, mit einer Yoga-Klasse den Frust zu überschreiben, ist auch keine Idee. Also wenn Frust drin ist, dann darf der auch mal raus, und das ist auch vollkommen okay. Dann darf man auch mal im Wald gehen brüllen und vielleicht muss ja da auch noch Zeit für sein. Also ich glaube, das dürfen wir nicht alles zu sehr einschränken.
KatherinaJa, schön.
TimoWir sehen uns ja sowieso bald, ne? Ihr fahrt ja beide. Ganz in zweieinhalb Wochen ist es, glaube ich, schon sehr weit. Sehen wir uns in Italien zu einem wundervollen gemeinsamen Betweet, freue ich mich total drauf.
KatherinaIch freue mich auch riesig.
TimoJa, dann können wir mal gucken, wie wir das alles so in die Praxis bringen. Dieses Theoretikum, diesen gesunde Mitte. Ja, ich glaube, für mich ist ein ganz guter Punkt, erreicht so, oder? Ja. Passt für dich auch, ne?
KatherinaAbsolut.
TimoIch möchte an der Stelle neben dem Dankeschön fürs Zuhören und natürlich mein Dankeschön an dich, als wie immer sehr beliebte und geschätzte Gesprächspartnerin, wirklich nochmal einen Appell aussprechen an alle, die uns zuhören. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber wenn ihr uns mal schreit, was euch interessiert, wäre das echt cool. Also, mich würde das wirklich freuen, weil ich kriege ganz häufig so, oh, der Podcast ist toll, aber ich kriege überhaupt in der Regel kein Feedback, was vielleicht mal gewünscht wäre. Also ihr dürft wirklich mal eine Mail schreiben oder mal einen Kommentar oder irgendwas oder auf Instagram oder wo auch immer. Also mir wird das wirklich helfen. Will ich nur mal so gerade das Appell rausgeben. Und ansonsten sag ich schon mal Tschüss an alle, die auf meinem Kanal zugehört haben und sag dir danke.
KatherinaJa, und auch dir danke, Timo und danke, dass ihr reingehört habt oder auch bis hierhin zugehört habt. Und ja, genau, weil das ist, also ich möchte das auch nochmal bekräftigen, weil wir versuchen immer hier irgendwie wirklich gut wertvolle Themen zu beackern, die euch dienen. Vielleicht auch heute mit dem Wunsch, dass es irgendwie so eine, auch vielleicht eine Leichtigkeit nochmal ins Leben tragen kann, wie man auf die Dinge guckt, gleichzeitig eine Bewusstheit oder so. Genau, also wenn ihr da
Feedback-Wunsch Und Verabschiedung
KatherinaAnregungen habt, wirklich, wir freuen uns sehr.
TimoAbsolut. Dann würde ich sagen, noch zwei Wochen. Es kann sein, dass jetzt erstmal die nächsten drei, vier Wochen nichts passiert, podcast-mäßig. Ich weiß nicht, ob wir in Italien das schaffen. Ich habe mir den Zeitplan angeguckt, wird wahrscheinlich eher eng.
KatherinaHätte ich auch schon gedacht.
TimoAber wir schauen mal. Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Session, wann auch immer die sein wird.
unknownJa.
TimoAlso ich sage tschüss. Bis bald.
SPEAKER_01Tschüss. Bis ganz bald.